Kolumne „Mensch, Mutter“ Der blödeste Zeitpunkt Mutter zu werden

Baby oder Beförderung? Unsere Autorin fragt: Wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt fürs Kinderkriegen? Foto: Adobe Stock/Kaspars Grinvalds
Baby oder Beförderung? Unsere Autorin fragt: Wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt fürs Kinderkriegen? Foto: Adobe Stock/Kaspars Grinvalds

Kind und Karriere gehen nicht zusammen? Doch! Man muss nur auf den Zeitpunkt achten, sagt unsere Autorin Lisa Welzhofer in unserer Mutter-Kind-Kolumne aus dem Stuttgarter Kessel – und ist selbst zum „blödesten Zeitpunkt Mutter geworden“.

Stuttgart - „Eigentlich passen Kinder nie so richtig“, sagt man immer, wenn eine Frau im Beruf gern ein bisschen mehr werden will. Und das stimmt schon, sofern besagte Frau nicht gerade über eine Nanny, einen Hausmann oder ein Angebot als Teilzeit-Chefin verfügt.

Allerdings beobachte ich schon auch, dass es – solange unsere Arbeitswelt eben weitgehend so unflexibel und Elternunfreundlich ist wie sie ist - unter karrieretechnischen Gesichtspunkten bessere und schlechtere Zeitpunkte für eine Entbindung gibt.

Punkten mit dem Satz: „Meine Familienplanung ist abgeschlossen“

Eine Freundin zum Beispiel hat ihre drei Kinder kurz nach dem Einstieg in den Job mit Mitte/Ende 20 bekommen und damit - für Akademikerkreise – recht früh. Mittlerweile ist sie Ende 30, ihre Kinder sind aus dem Rund-um-die-Uhr-Betreuungs-Alter heraus, sie arbeitet seit einiger Zeit wieder Vollzeit und steht kurz vor der Beförderung zur Teamleiterin.

Eine Bekannte, die ebenfalls früh Mutter wurde, erklärte mir sogar mal, dass sie in Positionsverhandlungen bei ihrem Chef mit dem Satz „meine Familienplanung ist abgeschlossen“ punkten konnte. Klar, es ist schon eine ziemlich unsympathische Arbeitswelt, in der Menschen solche Sätze sagen und andere sie gut finden. Andererseits stand die Bekannte am Ende immerhin auf der Beförderungsliste.

Karrieretechnisch zum blödesten Zeitpunkt Mutter geworden

Allerdings kenne ich noch eine andere Variante: Frauen, die erst Karriere machen und sich dann, Ende 30/Anfang 40, vorstellen können, Kinder zu bekommen, weil sie beruflich etwas erreicht haben, auf das sie nach der Babypause aufbauen können. Unabhängig davon, ob das dann alles immer so reibungslos klappt: Es ist auf jeden Fall leichter mit Kindern auf den Chefinnensessel zurück zu kehren, als mit Kindern überhaupt erst auf dem Chefinnensessel Platz zu nehmen.

Ich habe meine Kinder mit 34 und 38 Jahren bekommen. Ich hatte vorher keine Führungsposition, und wenn die Kleinen aus dem Gröbsten raus sind, bin ich über 50. Karrieremäßig und unter ökonomisch-rationalen Gesichtspunkten bin ich wahrscheinlich zum blödesten Zeitpunkt Mutter geworden. Aber für mich war es eben genau der Richtige.

Die Autorin Lisa Welzhofer ist Mutter zweier Kinder und lebt in Stuttgart. In ihrer Kolumne macht sie sich regelmäßig Gedanken über Kinder, Kessel und mehr.



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