Kolumne „Ready for Baby Solo?!“

Ole Schou, Gründer einer der größten Samenbanken der Welt, in seinem Büro in Dänemark Foto: dpa / Thomas Borchert

Immer mehr Frauen wollen auch ohne Partner ein Kind. Wie das am besten – und billigsten – geht, erklären Influencerinnen im Internet. Offenbar stößt ihr Angebot auf ein wachsendes Interesse, meint unsere Autorin Siri Warrlich.

Hanna Schiller und Polly Freytag haben eine Mission. Sie planen, kalkulieren, tippen, diskutieren. Hastig räumt Polly Freytag ihr Wohnzimmer auf, um den Raum in ein Filmstudio zu verwandeln. Dann schraubt sie ihr Handy auf ein Stativ und filmt sich selbst. Hanna Schiller macht indes Werbung für das Projekt auf Instagram. „Wir haben ja ein paar Themen abgefragt, was ihr euch wünscht für den Kurs als Thema“, erklärt Schiller ihren Fans. „Und da kam von euch unter anderem das Thema Kostenvergleich von Samenbanken.“

 

Jawohl, richtig gehört. Hanna Schiller und Polly Freytag (die sich im Netz so nennt, aber tatsächlich anders heißt) bringen anderen Frauen bei, wie sie ohne Mann zu einem Kind kommen. Das ist ihr neuestes Projekt, dafür werben sie auf der Plattform Instagram: Ein Online-Kurs mit dem Titel „Ready for Baby Solo?! Step by step zur Solomutter durch Samenspende!“

Es geht um die Auswahl einer Kinderwunschklinik, um Gesetze und um die Frage, ob die Teilnehmerinnen emotional bereit für ein Kind sind. Schiller und Freytag bieten in ihrem Kurs auch „automatisierte Kalkulationssheets“ und zwei persönliche Beratungsgespräche mit jeder Teilnehmerin an.

Die beiden Influencerinnen sind keine Exotinnen

Die zwei Frauen sind keine Exotinnen, sondern Teil einer wachsenden Gruppe: Frauen, die ohne Partner ein Kind bekommen haben, die über ihren Weg dorthin aufklären und anderen Hilfestellung geben, gegen Bezahlung. Egal ob Karriereplanung, Beziehungsprobleme oder Selbstliebe – heutzutage findet man für so ziemlich jedes Thema einen Berater im Internet. Schiller und Freytag sind Influencerinnen für Solomutterschaft. Die Nachfrage scheint zu wachsen.

Fast ein Drittel aller Menschen ohne Kinder im Alter zwischen 20 und 50 ist ungewollt kinderlos. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2020. An der repräsentativen Umfrage nahmen etwa 10 000 Menschen teil. 2013 wurde schon einmal eine ähnliche Befragung durchgeführt. Seitdem sei der Anteil ungewollt kinderloser Menschen „erheblich gestiegen“, schreibt das Ministerium – von 25 Prozent im Jahr 2013 auf 32 Prozent im Jahr 2020.

Kinderlose fühlen sich nicht anerkannt

Etwas anderes ist interessanterweise laut der Studie ebenfalls gestiegen: ein Gefühl der Kinderlosen, dass der Rest sie negativ wahrnimmt. Aussagen wie „Kein Kind zu haben, gilt in unserer Gesellschaft als Makel“ oder „Mit einem Kind habe ich in unserer Gesellschaft einen höheren Status“ stimmten 2020 mehr Befragte zu als 2013.

Das könnte ein Grund von vielen sein, warum die Solo-Mutterschaft für manche Frauen gar nicht mehr so abwegig scheint. Belastbare Zahlen gibt es nicht. Doch manches deutet darauf hin, dass die bewusste Entscheidung, ohne Partner ein Kind zu bekommen, immer normaler wird. So sagte Ole Schou, Gründer einer der größten Samenbanken weltweit, dem britischen „Guardian“ beispielsweise schon vor ein paar Jahren, dass inzwischen etwa die Hälfte seiner Kunden alleinstehend sei.

Der Kinderwunsch kann teuer werden

Gesellschaftlich verschiebt sich etwas. Das wirft Fragen auf – zum Beispiel die nach der Gerechtigkeit. Eine Kinderwunschbehandlung für alleinstehende Frauen ist teuer, die Krankenkasse bezahlt in diesem Falle nichts. Je nachdem, wie lange es mit dem Schwangerwerden dauert, fallen für Samenbank und Kinderwunschklinik mehrere Tausend Euro an. Bewusst allein ein Kind aufzuziehen können sich effektiv nur Gutverdiener leisten. „Während spezifisch für Deutschland keine Daten hierzu vorliegen, haben Studien aus anderen Ländern gezeigt, dass ‚Single Moms by Choice‘ in aller Regel gut ausgebildete berufstätige Frauen sind“, schreibt der wissenschaftliche Dienst des Bundestags.

Und was ist mit den weniger gut ausgebildeten Frauen? In Frankreich zahlt die Krankenkasse für künstliche Befruchtung – bei allen Frauen, egal ob lesbisch, hetero oder alleinstehend. FDP und Linke hatten vor der letzten Bundestagswahl gefordert, dass auch hierzulande die Kosten einer Kinderwunschbehandlung für Alleinstehende gefördert werden sollten. Wie die Parteien sich 2025 zu dem Thema positionieren, bleibt abzuwarten. Auf den Geldbeutel ihrer Kundinnen zielen in der Zwischenzeit auch Polly Freytag und Hanna Schiller ab. „Du sparst Geld! Unsere Tipps und Tricks helfen dir, schlaue Entscheidungen zu treffen, mit denen du Kosten sparen kannst“ – so bewerben sie ihren Kurs im Netz. Normalerweise kostet das Gesamtpaket 249 Euro plus Mehrwertsteuer. Die ersten 40 Frauen, die sich anmelden, erhalten 60 Euro Rabatt.

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