Kolumne Spiel’s noch einmal!
Wer gerne essen geht, weiß, dass es eben nicht nur auf das ankommt, was auf dem Teller liegt. Über Musik in Restaurants
Wer gerne essen geht, weiß, dass es eben nicht nur auf das ankommt, was auf dem Teller liegt. Über Musik in Restaurants
Bald ist es so weit. Am 17. Juni werden in Frankfurt wieder Michelin-Sterne vom Himmel geholt, und alle werden sich fragen, was die Inspektoren des Guide Michelin so alles bewerten - Produkte, Handwerk in der Küche, die Originalität der Gerichte und auch die Beständigkeit sind von Belang. Es geht dabei ausschließlich um das Essen auf dem Teller. Die verstaubten, ockerfarbenen Vorhänge? Interessieren die Tester nicht. Die vergilbte Speisekarte? Mon dieu! Das miesepetrige „Hallo“ beim Betreten des Lokals? Völlig irrelevant für die Sterne-Vergabe.
Doch wir Gäste schauen auf so viel mehr, bewusst oder unbewusst. Bei aller medialen Aufmerksamkeit, die Köchinnen und Köche heute erfahren, bekommen wir sie als Gäste nur selten zu Gesicht. Ihr Reich ist die Küche – dort, wo es laut ist, oft heiß und meist trubelig. Während sie da hinten ihren Job machen, sitzen wir vorne und werden mit dem Ergebnis überrascht und sind dann hoffentlich davon angetan.
Ein Restaurantbesuch lebt natürlich vom Essen, das gut sein muss, damit man wiederkommt. Was jedoch mindestens ebenso wichtig ist, sind Service und Ambiente. Erst diese Trias entscheidet, ob wir wiederkommen, ob wir uns wirklich willkommen fühlen. Es ist die Kunst der Gastgebenden, aufmerksam zu sein, ohne aufdringlich zu werden – ein Balanceakt zwischen Fürsorge und Distanz.
Das Ambiente? Eine Wissenschaft für sich. Sind die Stühle bequem genug für einen mehrstündigen Aufenthalt? Ist der Raum stimmungsvoll beleuchtet? Ist er zu hell, und man fühlt sich wie in einer Kantine; zu dunkel, und das Essen verschwindet im Schatten.
Dann die subtilen Details: Stimmen die Düfte im Raum? Gibt es frische Blumen? Tischwäsche? Falls nicht: Sind die Tische sauber? Petitessen mögen manche sagen, doch diese Nuancen entscheiden über Wiederkehr.
Besonders unterschätzt wird die Musik – heute kuratieren Restaurants ihre Playlists mit derselben Sorgfalt wie ihre Menüs. Zum Amuse-Bouche erklingen die Cardigans, der Hauptgang wird von norwegischem Indiefolk begleitet, zum Digestif ertönt klassischer Hip-Hop aus New York. Manche Lokale teilen ihre Listen sogar als klangliche Erinnerung auf Spotify. Schlimmer als keine Musik ist nur schlechte Musik. Denn nichts zerstört einen Abend so nachhaltig wie die falsche musikalische Untermalung. Und apropos Service: der kann sich an manchen Listen mit der Zeit so ziemlich satt gehört haben. Doch über Musik lässt sich bekanntlich ebenso trefflich streiten wie über Essen. Alles eine Geschmacksfrage!