Kolumne über Sex & Liebe: Beziehungskram Mein Freund, der VfB und ich

Keine Wochenendplanung ohne Bundesliga, DFB-Pokal und Sportschau. Foto: priva/t

Am Wochenende schon was vor? Moment! Unsere Autorin muss noch schnell checken, ob ein Heimspiel ansteht. Über die (Hass-)Liebe zum VfB Stuttgart. [Plus-Archiv]

Ich bin eine Fußballerfrau. Nein, ich trage keine Designerhandtaschen durch winterliche Shoppingmalls in Dubai und ich habe auch keine Influencerverträge mit Joghurtherstellern oder Botoxhändlern. Das sind die sogenannten Spielerfrauen. Ich bin kein schmückendes Beiwerk mit spitzem Näschen und perfekter Haut, mein Freund ist lediglich Fan des laut ihm besten Vereins der Welt, dem VfB Stuttgart.

 

Wenn mich meine Freund:innen fragen, ob wir am Wochenende was unternehmen wollen, checke ich sofort, ob der VfB ein Heimspiel hat. Falls ja, ist mein Freund nämlich stundenlang damit beschäftigt, seinen Verein mit allem was er hat zu unterstützen: Mit Bier, Fanschal und verwackelten, aber doch sehr emotionalen Instagram-Videos aus der Kurve. VfB-Bettwäsche konnte ich bis jetzt erfolgreich abwehren. Mir ist tatsächlich erst aufgefallen, wie oft der Ball über den Cannstatter Rasen rollt, als wir eine Familie geworden sind. Disclaimer: Jede zweite Woche! Und dann sind ja auch noch die Auswärtsspiele, die in der Kneipe mitverfolgt werden. Und dann gibt es ja auch noch den DFB-Pokal. Und die Sportschau. Und Podcasts.

Dauerkarte für Daddy

Und jetzt wo der VfB auf dieser unfassbaren Erfolgswelle reitet, wird durch Europa gereist, wie mein Freund mir erst kürzlich eröffnet hat. „Stuttgart international!“ hat er daraufhin mehrmals durch die Wohnung gebrüllt und fast unseren kleinen Sohn geweckt. Der schläft aber ab und zu richtig gut und ist übrigens auch schon Mitglied im VfB-Miniclub, wird mit Fritzle-Badetüchern abgetrocknet, hat ein VfB-Schnuffeltuch, einen VfB-Schnuller, eine Kinderwagenkette mit Fußbällen im VfB-Design und natürlich niedliche Strampler, Bodys und Mützen mit dem roten Brustring. Zum Glück bin ich keine Sad-Beige-Mom mit einem kruden Designanspruch, sondern pragmatisch. Und es könnte ja alles schlimmer sein, denn der VfB ist mir ja nicht gänzlich unsympathisch. Mein Freund könnte den FC Bayern oder den Dosenclub aus Leipzig lieben. Oder Handball-Fan sein. Oder Fan der Nationalmannschaft. Um Himmels Willen!

Alles für den Verein?

Ob ich eifersüchtig bin? Vielleicht ein ganz kleines bisschen. Forscher:innen vom Social Issues Reseach Center in Oxford haben nämlich herausgefunden, dass 55 Prozent der Fußballfans offen zugaben, dass sich Vereinsliebe mit einer langjährigen Liebesbeziehung vergleichen ließe. Bin ich neidisch, weil ich dieses Fan-Gefühl nicht kenne und mir am Samstagabend eigentlich lieber Paarzeit wünsche?

Zugegeben, manchmal kann es ganz schön frustrierend sein, wenn man sich am Wochenende dem Hobby des Partners unterordnen muss. Als wir Besuch von meiner Familie hatten und er deswegen seine Eintrittskarte weitergegeben hat, war er schon ein wenig stinkig – es hätte ja ein legendäres Spiel werden können, wie er mir wiederholt erklärte. War er Zeuge eines solchen Spiels, ist er tagelang super gelaunt, zeigt mir Tore in der Sportschauwiederholung und strahlt über beide Ohren. Schon irgendwie süß.

Dieses Glück gönne ich ihm von Herzen, denn ich weiß, wie wichtig meinem Freund die Spiele sind. Als VfB-Fan ist man nämlich leidgeprüft und hart im Nehmen. Und nicht nur der sportliche Aspekt zählt: Er trifft dort viele Freunde und seinen Opa (ja, es liegt in der Familie), schwärmt auch schon davon, mit unserem Sohn ins Stadion zu gehen, wenn er groß genug ist und träumt die großen Träume von der Champions League. „Wir planen unsere Urlaube dann einfach um die Spiele herum, okay?“, zwinkert er mir zu und ich bin mir kurz nicht sicher, ob er das ernst meint. Disclaimer Nummer zwei: Tut er. Dann muss ich schon ein wenig schmunzeln und sehe uns mit VfB-Fanschals durch Neapel, Porto oder Sevilla stapfen. Dann trage ich meinetwegen auch eine Designerhandtasche.

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