Die Gedenkstätte zu Georg Elser, Hitler-Attentäter, in Heidenheim macht nachdenklich. Die Erinnerungen an eine Stenotypistin aus der Nazi-Zeit in Stuttgart auf eine andere Weise auch. Wie Menschen handeln, das ist allein eine moralische Frage, findet unsere Kolumnistin Elisabeth Kabatek.

Königsbronn ist ein beschaulicher Ort auf der Ostalb. Neben dem historischen Rathaus liegt der idyllische Brenztopf. Schwer zu glauben, dass hier Geschichte geschrieben wurde: Ein einfacher Mann namens Georg Elser entschied, dass von Hitler eine Bedrohung ausging, die er nicht ignorieren konnte. Also beschloss er, ihn umzubringen. Im Alleingang. Wie verrückt ist das? Monatelang bereitete Elser sein Attentat vor. Er besorgte sich Sprengstoff, bastelte einen Zeitzünder und ließ sich in München Abend für Abend im Bürgerbaukeller einschließen, wo er über Hitlers Rednerpult eine Säule für den Anschlag präparierte. Der Rest ist Geschichte: Hitler verließ den Versammlungssaal früher als geplant, kurz vor Explosion der Bombe. Elser wurde an der Schweizer Grenze gefasst, blieb bis 1945 inhaftiert und wurde kurz vor Kriegsende hingerichtet. Besonders bitter: Bis in die 60er Jahre wurde seine Familie diffamiert. Es hieß, Elser habe in Wahrheit mit den Nazis kollaboriert. Das alles ist in der kleinen, ungemein bewegenden Gedenkstätte in Königsbronn dokumentiert. Was trieb Elser zu dieser Tat? Wieso war ein einfacher Schreiner so hellsichtig und übernahm Verantwortung für den Verlauf der Weltgeschichte? Und was für ein Licht wirft das auf alle, die zuschauten oder gar behaupteten, nichts gewusst zu haben?