Kolumne von Sibylle Krause-Burger Der importierte Antisemitismus
Der deutsche Staat ist schwach und milde. Deshalb können Mobs von Einwanderern ihren Judenhass auf unsere Straßen tragen, meint unsere Kolumnistin Sibylle Krause-Burger.
Der deutsche Staat ist schwach und milde. Deshalb können Mobs von Einwanderern ihren Judenhass auf unsere Straßen tragen, meint unsere Kolumnistin Sibylle Krause-Burger.
Stuttgart - Ach, war das schön! Deutschland erstrahlte barmherzig im Glanz der Willkommenskultur. Am Münchener Hauptbahnhof und vielen anderen Orten hielt das Volk die Arme auf. Die Leute spendeten Geld, Betten und Kleider. Der Bund, die Länder und Kommunen organisierten Unterkünfte, Betreuung und Schulungen. Angela, die reine Magd, stellte sich werbend und bekennend mit geflüchteten Männern cheek to cheek für Selfies zur Verfügung. Unter ihrer Führung blühten wir auf als Weltmeister der Wohltätigkeit für Syrer und Afghanen, für Iraker und Iraner, für Libyer und Libanesen, die den unerträglichen Verhältnissen in ihren Heimatländern entflohen waren. Alle wollten ins deutsche Paradies. Viele, sehr viele kamen.
Sie kamen und fanden Aufnahme, freilich nicht, weil die Deutschen – im Gegensatz etwa zu Franzosen, Polen oder Ungarn – von Natur aus besonders menschenfreundlich sind, auch nicht, weil sie den einzigartigen Großmut für politisch notwendig hielten. Nein, die millionenfachen guten Taten waren nichts anderes als die Kehrseite der millionenfachen Morde, die wir aus der Zeit des Holocaust als ewige Schuld auf dem nationalen Buckel tragen. Nach der staatlich organisierten und industrialisierten Unmenschlichkeit wollte und will die nachfolgende Bundesrepublik die offene Tür und den freundlichen Umgang mit Fremden, kurzum ein neues, ganz anderes Deutschland der Welt zu Füßen legen.
Doch bei dieser beeindruckenden Güte wurden ein paar Kleinigkeiten übersehen. Es war nicht jeder, der hier ankam, ein Geschenk für diese Gesellschaft – wie Katrin Göring-Eckart, die fromme Helene der Grünen, anfangs vermutete; es kamen nicht nur Ärzte und Ingenieure, es kamen auch Analphabeten und ein paar Terroristen. Vor allem aber kamen ganze Kompanien junger, testosterongeladener und oft nicht leicht zu integrierende Männer aus Gegenden, in denen man dem Staat Israel und damit auch den Juden feindlich gesinnt ist.
Natürlich gibt es eine Mehrheit unter den Eingewanderten, die sich gut eingelebt hat und die, so ist zu hoffen, auch unsere Rechtsordnung respektiert. Aber da ist ein Rest, der sich aufführt, als gelte es, in Berlin-Neukölln oder in Stuttgart eine Intifada auszufechten und den Palästinensern endlich zu ihrem Recht zu verhelfen. Antisemitischer Hass, oft getarnt als Kritik an Israel, lässt sogar unsere brave schwäbische Luft erzittern. Israelische Fahnen brennen. Israelis werden als „Kindermörder“ denunziert – ein altes antisemitisches Klischee. Auf unserem Boden kämpfen diese Fanatiker gegen „Scheißjuden“, belagern Synagogen, werfen Scheiben ein, drohen mit einen Marsch nach Jerusalem, wollen die Israelis ins Meer treiben – also den Staat Israel auslöschen, im Übrigen den einzigen demokratischen im Nahen Osten.
Wenn das nicht paradox ist: Weil Deutschland die Schuld der Judenvernichtung trägt und diese Last lindern will, ist es zum einwanderungsfreundlichsten Land der EU geworden und muss sich jetzt von etlichen dieser Einwanderer mit antisemitischen Ausfällen auf der Nase herumtanzen lassen. Um die historische Schande unseres Antisemitismus zu tilgen, haben wir uns – zusätzlich zum linken und rechten hausgemachten – den muslimisch-arabischen Antisemitismus importiert. Das ist unerträglich. Das geht gar nicht. Nicht hier, nicht jetzt und nimmermehr. Das kann und darf sich die Bundesrepublik nicht gefallen lassen.
Aber die Bundesrepublik ist schwach. Ein Nachtwächterstaat. Daran ändern alle Politikerbekenntnisse von links bis halb rechts nichts. Da kann auch der Herr Innenminister noch so deutlich mit der Keule des Rechtsstaats herumfuchteln. Er schwingt sie vielleicht, aber es gibt allerlei, das die Schlagkraft aufhält und die Täter ermuntert, die bundesdeutsche Großzügigkeit und Gastfreundschaft aufs Schamloseste zu missbrauchen.
Als Helfershelfer sehen wir staunend zögerliche Gerichte wie jetzt das Verwaltungsgericht in Frankfurt, das grünes Licht für die von der Stadt verbotene Demonstration gab. Wir sehen Medien, in denen stets vorweg von den Angriffen der Israelis und kaum von den tausendfachen Raketen der Hamas die Rede ist. Außerdem zeigt sich die Polizei immer wieder überfordert oder in Gefahr, bei härterem Durchgreifen als rassistisch, rechtsradikal, brutal und fremdenfeindlich angeprangert zu werden. Also übt dieser Staat Milde und ist nachsichtig.
Er lässt Parallelgesellschaften wachsen, auch die kriminellen. Terrorverdächtige kommen frei. Verurteilte Verbrecher werden nicht abgeschoben. Demonstrationen sind geduldet, obwohl sie verboten gehören. Und das immer wieder aufs Neue. Wo sie aufgelöst werden – so zumindest die Kunde, die alle Medien am vergangenen Wochenende verbreiteten –, wird die Verletzung des Corona-Abstandsgebots als Begründung angeführt. Nicht die antisemitischen Parolen? Nicht das Verbrennen von Israelflaggen? Nicht die Hetze, die sich hier austobt? Ist das alles erlaubt? Mir dreht sich der Magen um.