Kolumne von Siri Warrlich Her mit der Männerquote fürs Elterngeld!
Bezahlte Arbeit und unbezahlte Sorgearbeit sind in vielen Familien nach wie vor sehr ungleich verteilt. Eine Idee, wo der Staat ansetzen könnte.
Bezahlte Arbeit und unbezahlte Sorgearbeit sind in vielen Familien nach wie vor sehr ungleich verteilt. Eine Idee, wo der Staat ansetzen könnte.
Zitat meiner Freundin über ihren Mann.: „Ich bin neidisch auf ihn. Er kann bei der Arbeit wenigstens in Ruhe aufs Klo gehen.“ Sie betreut seit einigen Jahren die gemeinsamen Kinder, sie putzt, kocht, organisiert das Leben ihrer Familie. Geld verdient aber nur er. Nicht nur das Einkommen, auch der Luxus des geruhsamen Toilettengangs sind ungleich verteilt.
Es erschreckt mich, wie viele Paare in meinem Alter mit der Geburt eines Kindes in Muster zurückfallen, die mich an das erinnern, was meine Mutter aus meiner Kindheit erzählt – aus einer Zeit vor bald 35 Jahren.
Wie wenig sich bei der Verteilung von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Sorgearbeit verändert hat, zeigt auch eine jüngst erschienene Jubiläumsausgabe der „Zeit“. „Wenn die Frau heute in sehr vielen Fällen neben den Aufgaben, die ihr das Familienleben auferlegt, auf noch einen Beruf ausüben muss, so ist doch die Familie der Zentralpunkt im Dasein der Frau.“ Dieses Zitat der Vorsitzenden des Deutschen Hausfrauenbundes stammt – leicht gekürzt – von 1952. Würden aber viele heute genauso unterschreiben, glaube ich. Ich glaube das wegen Erfahrungen wie dieser: Jüngst erzählte ich in einer Runde, dass meine Schwester acht Wochen nach der Geburt ihres Sohnes wieder Vollzeit in den Beruf zurückkehrte. Das Kind wird größtenteils vom Vater betreut und geht, seitdem es drei Monate alt ist, auch für zwei Tage die Woche ein paar Stunden in die Kita. „Um Gottes Willen“, sagte jemand dazu. Als hätte ich von Kindesmisshandlung berichtet.
Wie schleppend sich die Dinge verändern, zeigen auch Zahlen. Die Teilzeitquote von Müttern und Vätern ist seit zehn Jahren effektiv gleich geblieben. 2010 arbeiteten 64,2 Prozent – also fast zwei Drittel – aller erwerbstätigen Mütter in Teilzeit. Bei den Vätern waren es 5,4 Prozent. Diese Zahlen haben sich ein Jahrzehnt später kaum geändert. Der Anteil der erwerbstätigen Mütter, die nur Teilzeit arbeiten, ist sogar leicht gestiegen – auf 65,5 Prozent. Väter, die ihre Stunden im Büro reduzieren, gibt es hingegen fast genauso wenige wie 2010: Die Teilzeitquote der Väter lag 2020 bei 7,1 Prozent.
Es sind die Frauen, die nach all den Jahren noch immer in die Röhre gucken. Wer in Teilzeit arbeitet, macht seltener Karriere, weil Führungsjobs in Teilzeit noch immer die Ausnahme sind. Ganz zu schweigen von den Müttern, die gar nicht erwerbstätig sind. Ihr Anteil lag 2020 bei etwa einem Viertel. Wer keine oder weniger Erwerbsarbeit leistet, bekommt natürlich auch weniger Rente. Knapp ein Drittel weniger Alterseinkünfte haben Frauen laut Statistischem Bundesamt im Gegensatz zu Männern. Neulich las ich ein Interview mit einer Finanzberaterin. Was würde es kosten, wenn die etlichen Arbeitsstunden für Kinderbetreuung und Haushalt eine bezahlte Kraft leisten würde – und nicht unentgeltlich die Frau? Das sollten Paare mal ausrechnen, so der Tipp der Beraterin, um zu erkennen, wie ungerecht es zugeht.
Der Staat kann Paaren nicht vorschreiben, wie sie Arbeit und deren (Nicht-)Bezahlung untereinander aufteilen. Aber der Staat hätte einen Hebel für mehr Gleichberechtigung: das Elterngeld. Vor gut 15 Jahren wurde es eingeführt – mit dem expliziten Ziel, Männer zu mehr Sorgearbeit zu bringen. „Auch die Väter haben mit dem Elterngeld erstmals einen attraktiven Anreiz, sich aktiv in den ersten Lebensmonaten um die Betreuung des Kindes zu kümmern“, sagte die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen. Dieser „attraktive Anreiz“ – es geht um Geld – lockt die Männer tatsächlich für eine Weile weg aus dem Büro. Etwas weniger als die Hälfte der Väter nehmen heute bezahlte Elternzeit – die allermeisten von ihnen aber nur zwei Monate. Was für ein Zufall! Es sind nämlich genau diese zwei Monate Elterngeld, die Paaren finanziell entgehen, wenn nur die Frau allein Elterngeld bezieht.
Das zeigt: der finanzielle Anreiz – voll ausschöpfen lässt sich das Geld vom Staat nur, wenn Männer zumindest einen kleinen Anteil Elternzeit machen – funktioniert. Hier sollte die Politik ansetzen: Her mit der 50-Prozent-Männerquote fürs Elterngeld. 14 Monate Elterngeld gibt’s künftig nur noch, wenn der Bezug 50/50 aufgeteilt wird. Sieben Monate die Frau, sieben Monate der Mann. Schon aus finanziellen Gründen wäre es wahrscheinlich, dass viele Frauen während der Elternzeit des Mannes wieder in den Beruf einstiegen. Dann kämen sie schneller in den Genuss, bei der Arbeit mal wieder in Ruhe aufs Klo zu gehen. Ein Luxus, für den sie womöglich auch nach dem Ende der Elternzeit kämpfen würden – durch eine gerechtere Aufteilung zwischen bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Hausarbeit.