Liebevoll – so beschreibt unser Kolumnist Mirko Weber sein Verhältnis zu den vielen Sondermünzen, die er einmal besaß. 16 Umzüge hat seine Sammlung überlebt, dann kam die Trennung. Aber: Was hat das mit dem Triple des FC Bayern zu tun?

Manteldesk: Mirko Weber (miw)

München - Privilegien. Sehr gespreiztes Wort. Der Kabarettist Dieter Hildebrandt, eine Zeit lang auf der Bühne im Verein mit dem Kärntner Werner Schneyder ziemlich unschlagbar, erzählte öfter, dass sie in Bremen am Flughafen mal an den Wartenden in der Schlange vorbeigelotst wurden: Hildebrandt – eh meistens im berechtigten Protestmodus – rief sofort, dass er so was nicht wolle. Schneyder hingegen setzte sein Festtagsgesicht auf und konstatierte, dass er’s in diesem Stil ganz gerne habe. Und schon waren sie durch – Jahrzehnte her. Heute ist (Schein-)Upgrade im weitesten Sinne Volks- und Verkaufssport. Aber natürlich gibt es Vorzugsbehandlungen, die ich mir gefallen lasse. Zum Beispiel beim Sicherheitscheck im Gericht, als der durchsuchende Beamte meinte, er lasse von nun an bei Dauerkundschaft, wenn er sich bereits den Unterschenkel raufarbeite, den Satz „Und jetzt bitte nicht erschrecken, ich greife Ihnen kurz in den Schritt“ weg.

 

Schritt ist (von der ganzen Aktion mal abgesehen) auch ein unschönes Wort, ungefähr eine Stufe noch unter Privileg. Trotzdem danke.

Für das Privileg soll man auch noch zahlen

Tags drauf wurde ich zum ersten Mal im Leben „bevorrechtigt“. Der Briefumschlag hielt sich in Blaugrau, Behördenfarbe: Ich war „bevorrechtigt, die offiziell vom FC Bayern München lizenzierte Sonderprägung ,Triple-Sieger 2013‘ zu erhalten.“ Ausrufezeichen. Münzen also, für die man hätte zahlen sollen, versteht sich. Einen Brief, der auf Din-A4-Format mehr Eindruck zu schinden suchte, habe ich noch nie bekommen. Lauter monströses Geraune: Eilsache. Wichtiges Dokument. Nicht übertragbar. Gefangen genommen hat mich als Teilzeitsportreporter und Taktikliebhaber, dass hier eine privilegierte Fachredaktion endlich das Mirakel dekodierte, welches wir anderen Deppen saisonendlich zu entschlüsseln nicht in der Lage waren: „Das Geheimnis des FC Bayern ist“, las ich – Trommelwirbel, Tusch! – „keines: kluge Strategie merzte Schwachstellen gezielt aus, zusätzliche Spielerqualität wurde hinzugeholt, die Kaderbasis verbreitert.“ Soso.

Ich habe dann trotzdem höflich abgeschrieben. Super-Privilegierung, sicher, doch die einzige Erfahrung, die ich mit Münzen gesammelt habe, war, dass ich in den Siebzigern die Aral-Münzen-Karte der Nationalmannschaft komplett hatte (mit dem edlen Römerkopf des leider zum Bremer mutierten niederrheinischen Eisenfußes Horst-Dieter Höttges).

Am Ende landen die Münzen auf dem Wertstoffhof

Die Münzen waren bleischwer, machten aber alle folgenden 16 Umzüge brav mit. Als sie merkten, dass ich sie nicht mehr liebevoll genug betrachtete, fingen sie an zu rosten. Dann schimmelte die Verpackungspappe. Schließlich habe ich meinen Helden in Metall (voran Gerd Müller) auf einem oberbayerischen Wertstoffhof das einzig wertvolle Privileg überhaupt wiedergegeben: die Freiheit. Vielleicht zahlt’s sich irgendwie aus.