Der Deutsche zischt „Basta!“, „Schluss jetzt!“ oder, je nach Herkunft, auch mal „A Ruah is!“. Und der Österreicher? Sagt das gleiche viel vornehmer. Was diese Ausdrücke mit Hunden zu tun haben, erklärt unser Kolumnist Mirko Weber.

Manteldesk: Mirko Weber (miw)

Wien - Unlängst in der Wiener U-Bahn saßen zwei Buben vis-a-vis, die schon deswegen auffielen, weil sie nicht, wie 95 Prozent der anderen Mitfahrer im Abteil, in irgendwelche Displays starrten. Stattdessen stellten sie ihrer Mama eine Menge Daseins-Fragen, die waren nicht dumm – und die Antworten waren entsprechend. So ging das ein paar Stationen, bis die Buben, beide um die zehn, elf Jahre alt, einen schrägen Witz gerissen hatten und relativ lärmig zu lachen anfingen, bis die Mama verbal dazwischen ging – und zwar mit der leise gezischten Sentenz: „Bittä – mir sand doch hier ned am Land . . .“

 

Dinge anzüglich gewissermaßen ums Eck zu sagen und dann so, dass sie ihre Dringlichkeit erst nach einem kurzen Nachdenken entfalten, ist eine österreichische Spezialität. In Deutschland hätte die Frau „Schluss jetzt!“ respektive „A Ruah is“ oder „Basta!“ gesagt. Mit „Basta!“ als Kanzlerkernaussage wurde ja hierzulande sogar schon einmal länger regiert, wobei erwähnt werden sollte, dass kein Italiener das Wort derart schneidend aussprechen kann wie weiland Gerhard Schröder. Hörte man ihn („ . . . im Übrijen . . .“), sah man manchmal gleichsam einen Hund schnappen.

Zu Guttenberg ein Hundling? Ach was!

Der Hundling wiederum in der nichtschröderschen Erscheinungsform genießt prinzipiell in Bayern und dort in bestimmten Kreisen – im Übrigen gerne auf dem Land – einigen Respekt (gemischt mit leichtem Schauder) beziehungsweise hat ihn genossen, weil allzu viel Hundlinghaftes heute gar keine Chance mehr hätte, gesamtgesellschaftlich. „A Hund is’ er scho’“ hat als Spruch leidlich überlebt, aber wer wäre noch einer gewesen – im Wortsinn und politisch gesehen? Zu Guttenberg? Georg Schmid? Waren vergleichsweise vielleicht gerade mal Welpen – und resultativ weinerliche dazu.

Wahrscheinlich muss man bayernspezifisch zurückgehen bis zu Hans „Jonny“ Wallner, dessen CSU-Parteigeschichte im Nachhinein doch so einiges in den Schatten stellt, was heute an (vermeintlichem) Dunkelmannstum geboten wird. Wallner vergab gar nicht erst Nebenjobs, die jetzt in der Beschäftigungs-Affäre weiterhin eine Rolle spielen. Er verstand vielmehr seine eigentliche Aufgabe als MdL für den Stimmkreis Deggendorf als solchen – und sagte das auch jedem. Wegen mangelnder Arbeitsmoral eckte er zwar öfter bei den Fraktionskollegen an, erwarb sich jedoch immer wieder hundlingsmäßigen Ruhm in der Heimat: Verurteilt und mit Fahrverbot belegt wurde er unter anderem wegen gefährlicher Überholmanöver inklusive Zeigen des Mittelfingers. Den Vogel allerdings schoss Wallner ab, als er 1997 mehr als 26 000 DM Telefonsexgebühren vom Dienstapparat aus verursachte, was ihm Schadenswiedergutmachung, eine einjährige Bewährungsstrafe und ein hohes Bußgeld einbrachte.

Den neuerlichen Selbstbedienungsfertigkeiten vieler seiner Leute hätte der Parteichef Horst Seehofer vielleicht einmal mit der Bemerkung begegnen sollen, dass der früher so oft zitierte Papst immer noch auf alles in Bayern ein Auge hat, auch als Pensionär. Seehofer hat dann aber einen zeitgenössischen Philosophen zitiert, Robert Spaemann. Der hat gesagt, dass die Kunst der Politik darin bestehe, aus Bedingungen, die man nicht selbst geschaffen habe, das Beste zu machen. Kann man natürlich leicht missverstehen, den Gedanken. Als Hundling. Und nicht nur am Land.