Kolumne zur Fußball-WM 2018 Kubistische Häuserblocks

Kaum zu entziffern: die Namen der russischen Spieler. Foto: imago
Kaum zu entziffern: die Namen der russischen Spieler. Foto: imago

Die Trikots aus dem Hause Adidas haben ein typografisches Problem. Formvollendet ist dagegen wieder einmal das Outfit der Peruaner.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Peter Stolterfoht (sto)
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Stuttgart - Ganz schön dreist, die Russen. Lassen sich ihre Trikots einfach mit kyrillischer Schrift beflocken. Denen ist es offenbar ganz egal, wenn fast der gesamte Rest der Welt die Spielernamen nicht entziffern kann. Moment. Bei näherer Betrachtung des Spiels der russischen Mannschaft gegen Saudi-Arabien stellt sich die Sache allerdings etwas anders dar. Es handelt sich dabei doch um die bei internationalen Sportveranstaltungen handelsüblichen lateinischen Buchstaben. Behauptet zumindest die Firma Adidas, die sich diese sehr spezielle Typografie hat einfallen lassen. Gleich zwölf Teams tragen bei der Weltmeisterschaft die rätselhaften Buchstaben auf dem Rücken, unter anderem auch die DFB-Auswahl.

Die Deutschen kennt man ja zum Glück und ist am Fernseher nicht auf den Namenszug angewiesen. Die russischen Spieler sind einem aber noch nicht so geläufig. Doch der 5:0-Sieg gegen die Saudis legt den Verdacht nahe, dass da Namen dabei sind, die man sich mit Blick auf den weiteren Verlauf des Turniers merken sollte. Der Blick auf den Rücken der Spieler ist aber nicht besonders geeignet, um sich die Namen einzuprägen.

Unvergesslich dürfte dagegen die Erläuterung von Adidas-Sprecher Oliver Brüggen zur gewöhnungsbedürftigen Schrift sein: „Inspiration für die Typografie waren kubistische Häuserblocks aus der Vogelperspektive.“ Interessant. Womöglich lassen sich die Trikotdesigner vor dem nächsten Turnier dann von Loire-Schlössern aus der Froschperspektive inspirieren.

Für trikottechnische Verwirrung sorgten die Spieler aus Uruguay

Bei der Fußballausrüstung, das machen die Adidas-Trikots deutlich, sollte man die Kreativität nicht auf die Spitze treiben. Der Fan mag es vielmehr traditionell und klassisch. Und freut sich zum Beispiel über das elegant-schlichte Auftreten der Peruaner, die seit der Erfindung des Fußballs in weißen Trikots mit roter Schärpe daherkommen. So jetzt auch wieder in Russland. Und ganz nebenbei: Auch auf dem Platz geben die Südamerikaner, die in diesen Trikots stecken, ein hervorragendes Bild ab – trotz der äußert unglücklichen 0:1-Auftaktniederlage gegen Dänemark.

Nachdem Christian Cueva einen Elfmeter verschossen hatte, wurde der Mittelfeldmann von wirklich jedem Mitspieler auf dem Weg in die Kabine getröstet und ihm Mut zugesprochen. Weil der englische Sportartikelhersteller Umbro eine grundsolide Typografie gewählt hat, ist nun jeder aus dieser mitfühlenden peruanischen Mannschaft namentlich bekannt.

Für trikottechnische Verwirrung sorgten am WM-Auftaktwochenende wiederum die von Puma ausgestatteten Spieler aus Uruguay. Vier WM-Sterne sind im Brustbereich ihrer extra engen Leibchen zu sehen. Wo sie doch erst zweimal (1930 und 1950) den Titel holten. In der uruguayischen Zählung werden aber interessanterweise auch die Olympiasiege aus den Jahren 1924 und 1928 ganz frech als WM-Erfolge gewertet.




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