Ein Rückblick auf große Fernsehmomente, klar, dass man dabei an dem Nonsens-Künstler Dieter Hallervorden nicht vorbeikommt. Manches palim-palim klingelte einst belebend in die Eintönigkeit, die 75 Jahre Fernsehunterhaltung auch bedeuten konnten. Dieses Verdienst könnte ihm niemand streitig machen – außer er selbst. Und wie es scheint, arbeitet er genau daran nach Kräften. Schon seit einiger Zeit macht Hallervorden nicht mehr als Komiker von sich Reden, sondern als selbsternannter Vorkämpfer für die seiner Ansicht nach bedrohte Meinungsfreiheit.
Zwei verbotene Wörter
Um diesen Nonsens zu entlarven, müsste man sich nur jenen Sketch genauer ansehen, mit dem er in der Jubiläumssendung 75-Jahre ARD gezielt die Reiz-Reaktions-Abfuhr stimuliert hat, die gerade durch die Social-Media-Kanäle rauscht. Ein Häftling erzählt, der Grund seiner Bestrafung sei die Verwendung von zwei verbotenen Wörtern gewesen, die er auch sogleich ausspricht – dieselben, die heute bevorzugt auf Speisekarten in national- oder zumindest wokenessbefreiten Zonen als Erkennungszeichen dienen.
Platter kann man eigentlich nicht demonstrieren, wie sich das angebliche Sprachverbot in eine Art populistisches Tourette-Syndrom verkehrt. Denn natürlich landet hier niemand hinter Gittern, wenn er rassistische oder diskriminierende Ausdrücke verwendet, sondern zur besten Sendezeit im deutschen Fernsehen. Und er muss geradezu darum betteln, jenen Anstoß zu erregen, den sein sträflicher Auftritt voraussetzt. Das Netz lässt sich nicht lange bitten. „Rassismus“ tönt es von der einen Seite, „endlich sagt’s mal jemand“ von der anderen. Mal wieder, möchte man hinzufügen.
Hauptsache Aufmerksamkeit
Von was eine Sendung wie diese große Jubiläumsshow lebt, ist die Vergangenheit dessen, was hier noch einmal Revue passieren darf. Eine Zeit, die an vielen ihrer Repräsentanten auf durchaus bewegende Weise nicht spurlos vorüber gegangen ist. Hallervorden aber kann sich offenbar damit nicht abfinden. Und wenn seine Witze schon aus der Zeit gefallen sind, so will er der Gegenwart wenigstens noch Lektionen erteilen. Hauptsache Aufmerksamkeit, auch wenn niemand mehr lacht und sämtliche Rücksichtnahmen und Höflichkeitsgebote außer Kraft gesetzt werden.
Das Jubiläen begleitende Gefühl der Nostalgie will da nicht aufkommen, eher ein Aufatmen und die Überzeugung, dieser Clown gehört nicht in den Knast, sondern ins Archiv.