Kommentar Amerikanische Hysterie

Wirtschaft: Andreas Geldner (age)
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Es ist geschichtsvergessen, wenn behauptet wird, dass ein derartig aufgeheizter politischer Diskurs in den USA etwas Neues wäre. Man braucht sich nur an die Kommunistenhatz der fünfziger Jahre, die aggressiven Plakate der Studentendemonstrationen der sechziger oder Richards Nixons Vulgaritäten gegen politische Gegner in den siebziger Jahren erinnern. Der Republikaner Ronald Reagan galt als Mann, der den nuklearen Weltuntergang einleiten würde.

Gegen den Demokraten Bill Clinton sollte wegen einer Sexaffäre ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet werden - als sei dies so schlimm wie die Watergate-Affäre. Das soll die besondere Brisanz der Attacken, die sich gegen Barack Obama als ersten schwarzen Präsidenten richten, nicht schmälern. Aber die amerikanische Politik leidet nicht in erster Linie an überhitzter Rhetorik, sondern an der Unfähigkeit der Demokraten und Republikaner zur Zusammenarbeit.

Die erregte Debatte um das Attentat wird nicht zur Entspannung beitragen - im Gegenteil. Vorwürfe und Gegenvorwürfe, die sich keinen Deut an den realen Hintergründen orientieren, werden einfach abgespult. Auf allen Kanälen wird verunglimpft, beschuldigt, moralisiert und philosophiert. Der Gedanke, dass ausgerechnet das schreckliche Ereignis von Tucson eine Wende zum Besseren einleiten könnte, ist naiv. Ob der neue starke Mann der Republikaner, John Boehner, und US-Präsident Barack Obama eine Schnittmenge zum Dialog finden, wird in den kommenden Monaten viel wichtiger sein.




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