KommentarKommentar Ende einer erfolgreichen Ära

Von Imelda Flaig 

Bei ZF geht der Chef, Ruhe wird im Unternehmen deshalb aber nicht so schnell einkehren, meint Wirtschaftsredakteurin Imelda Flaig.

ZF-Chef Stefan Sommer  verlässt den Konzern Foto: dpa
ZF-Chef Stefan Sommer verlässt den Konzern Foto: dpa

Stuttgart - Ein Chef auf Abruf tut keinem gut – weder den beteiligten Personen noch dem Unternehmen. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis ZF-Chef Sommer den Konzern verlässt. Seit Tagen wird schon über seinen Abgang spekuliert. Die Floskel in der am Donnerstagabend vom Unternehmen verbreiteten Mitteilung von der „einvernehmlichen Trennung“ wirkt da geradezu grotesk. Dass es für Sommer eng werden könnte, hat sich spätestens angedeutet, als sein Fürsprecher, der fast seit zehn Jahren amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Giorgio Behr, vergangene Woche vorzeitig seinen Rücktritt erklärt hat.

Seit Wochen tobt ein Machtkampf

Seit Wochen tobt ein Machtkampf zwischen dem Vorstandsvorsitzenden und einer Mehrheit im Aufsichtsrat über die künftige Konzernstrategie. Auf der einen Seite ist ein expansionsfreudiger Konzernchef, der das Unternehmen mit der erfolgreichen Übernahme von TRW für Zukunftsthemen wie autonomes Fahren fit gemacht hat und mit weiteren Zukäufen voranbringen will. Auf der anderen Seite steht der politische Eigentümer, der bei weiteren kostspieligen Übernahmen lieber auf die Bremse tritt – vertreten durch Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand, dem Vorsitzenden der Zeppelin-Stiftung, der ZF gehört.

Die Erwartung einzelner Aufsichtsräte, dass nun die Expansionsstrategie gestoppt wird, erfüllt sich aber hoffentlich nicht – jetzt da der Chef weg ist. Denn die Autobranche ist im Umbruch – man denke nur an autonomes Fahren, E-Mobilität und Vernetzung. Geschwindigkeit zählt, und ZF ist nur durch Zukäufe schnell genug, technologische Lücken zu schließen.

Finanzvorstand als Interimschef

Nun soll es erst einmal Finanzvorstand Konstantin Sauer als Interimschef richten. Stefan Sommer hat hier große Schuhe hinterlassen. Einen entsprechenden Nachfolger zu finden, der kurzfristig das Amt antreten kann, wird nicht leicht sein. Zumal nicht nach den vorausgegangenen Querelen. Sommer wird es da deutlich einfacher haben, einen neuen Job zu finden.