Kommentar Es ist richtig, den Nationalpark Schwarzwald zu erweitern
Zum Jahresbeginn 2026 werden die zwei Teile des Nationalparks endlich verbunden. Das ist trotz aller Kritik eine sehr gute Nachricht, meint Redakteur Thomas Faltin.
Zum Jahresbeginn 2026 werden die zwei Teile des Nationalparks endlich verbunden. Das ist trotz aller Kritik eine sehr gute Nachricht, meint Redakteur Thomas Faltin.
Jahrelang haben alle richtigerweise auf die Details und auf das Kleinklein geschaut, und viele sahen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Nun aber steht fest: die Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald kommt, zum 1. Januar 2026 verbinden sich die beiden Teile der Schutzfläche zu einem Ganzen. Es lohnt sich deshalb jetzt, den Blick nochmals aufs große Ganze zu lenken.
Gerade weil Arten- und Naturschutz derzeit nicht en vogue sind, ist es eine sehr gute Nachricht, dass im Nordschwarzwald ein Refugium für viele Pflanzen- und Tierarten geschaffen und nun erweitert worden ist. Das sehen auch die meisten Menschen so: Landesweit sind mehr als 90 Prozent für den größeren Nationalpark. Auch vor Ort finden die allermeisten Menschen den Park gut.
Man muss bedenken, dass auch in Naturschutz-oder Biosphärengebieten nur ein kleinerer Teil der Fläche sich selbst überlassen bleibt – im Nationalpark dagegen sollen es einmal 75 Prozent sein, wenn auch erst in 30 Jahren. Nur dort wird es also echte ungestörte Wildnis in einem größeren Gebiet geben. Die nächste Generation wird deshalb froh sein, dass heute eine Mehrheit den Mut hatte, den Urwald von morgen zu ermöglichen und mehr Wildnis zu wagen.
Allerdings war der Weg mühevoll. Zu Recht forderten die Menschen vor Ort, dass die Regeln im Nationalpark ihnen nicht verbieten dürfen, am Sonntag einen Spaziergang im Wald zu machen. Zu Recht gab es Kritik, dass die Landesregierung die Anteile an der Murgschifferschaft unter Wert verkauft hat. Und zu Recht wunderte man sich, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und CDU-Fraktionschef Manuel Hagel unter vier Augen ausgedealt haben, was mit den 40 Millionen Euro aus den abgegebenen Anteilen geschehen sollte.
Unterm Strich muss man aber sagen, dass die Landesregierung dieses Mal deutlich mehr Fingerspitzengefühl bewiesen hat als bei der Gründung des Nationalparks vor knapp zwölf Jahren, gerade im Umgang mit den Menschen vor Ort. Das lag tatsächlich auch an der CDU, die bei diesem Thema eigentlich Oppositionsarbeit in der Regierung betrieben hat. Denn im Koalitionsvertrag hatte man sich bereits geeinigt gehabt. Nun gab es Auswüchse, wie die Aussage von Forstminister Peter Hauk, er wolle um jeden Hektar kämpfen. Aber insgesamt hat die CDU sich stark für die Interessen der Region Schwarzwald eingesetzt, was zu mehr Mitbestimmung der Region geführt hat. Umgekehrt hat sie aber auch dafür gesorgt, dass die Erweiterung auf 1500 Hektar statt auf fast 3000 Hektar begrenzt wurde. Wenn damit das Borkenkäferproblem in Schach gehalten werden könnte, weil nun ForstBW mit der Bekämpfung beauftragt worden ist, war es das vielleicht am Ende wert. Aber nur dann. Vorerst ist es eine herbe Enttäuschung, wie wenig Fläche hinzugewonnen wurde.
So ist es jetzt jedenfalls zu einem harten Kompromiss gekommen, der allen Seiten weh tut. Aber womöglich birgt dieser Kompromiss die Chance in sich, dass dieses emotionale Streitthema allmählich befriedet wird und dass die Wunden der Vergangenheit sich endlich schließen können.
Wie gut die Natur sich im größeren Nationalpark entwickeln wird, das weiß allerdings heute noch niemand zu sagen. Vorerst ist die Erweiterungsfläche nämlich nichts weiter als ein bisher stramm genutzter Wirtschaftswald. Das Land hat deshalb mit der Erweiterung vor allem einen Scheck auf die Zukunft ausgestellt.
Erst in einigen Jahrzehnten werden wir wissen, wie wild der große neue Nationalpark im Schwarzwald wirklich sein wird. Damit es zu keiner Enttäuschung kommt, bleibt also viel zu tun.