Kommentar Jagd nach Schuldigen

Das Entsetzen ist groß: Menschen haben sich vor dem Büro von Gabrielle Giffords in Tucson versammelt. Foto: ddp
Das Entsetzen ist groß: Menschen haben sich vor dem Büro von Gabrielle Giffords in Tucson versammelt. Foto: ddp

Der Anschlag auf Gabrielle Giffords heizt die hysterische Debatte in den USA weiter an.

Wirtschaft: Andreas Geldner (age)
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Washington - Niemand weiß bis jetzt, was den Attentäter von Tucson angetrieben hat. Die wenigen bekannten Bruchstücke offenbaren einen Menschen, der den Kontakt zur Realität verloren hat. Kein Thema, das als mögliche Motivation schon Stunden nach der Tat diskutiert wurde, taucht in seiner Biografie bislang auf, weder die Gesundheitsreform noch die Einwanderungspolitik, für die Gabrielle Giffords Todesdrohungen erhalten hat. Bis heute ist fraglich, ob der Schütze Jared Loughner auch nur ansatzweise in der Lage war, zu verstehen, was Politik überhaupt ist.

Mit der frei schwebenden Debatte wird nur fortgesetzt, was das Klima in der amerikanischen Politik seit Obamas Amtsantritt zerrüttet. Die Amerikaner führen einen Diskurs, der nach Verdächtigen und Schuldigen sucht, egal was die Fakten sind. Dass nun die Hexenjagd von links kommt, macht die Sache nicht besser. Man möchte hoffen, dass am Ende die Nachdenklichkeit obsiegt, selbst wenn die Schießerei bei genauerem Hinsehen nicht der richtige Anlass wäre. Die meiste Hysterie kam in den vergangenen Monaten von rechts. Aber Innehalten würde auch den Demokraten nicht schaden. Die Schießerei könnte ein Anlass für eine ernsthafte Debatte darüber sein, wie ein geistig instabiler Mensch an ein Schnellfeuergewehr kommen konnte. Doch auch das ist wohl nur ein frommer Wunsch.




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