Kommentar Kunst und Kommerz

Auf der Bühne schillert das Musical, doch in der Realität ist die Branche beinhart. In der Bilderstrecke sehen Sie, welche Musicals bereits in Stuttgart aufgeführt wurden und welche aktuell zu sehen sind. Foto: dpa 17 Bilder
Auf der Bühne schillert das Musical, doch in der Realität ist die Branche beinhart. In der Bilderstrecke sehen Sie, welche Musicals bereits in Stuttgart aufgeführt wurden und welche aktuell zu sehen sind. Foto: dpa

Stage Entertainment streicht Stellen beim Stuttgarter Musical. Vor allem Musiker sind betroffen. Die haben aber keine Lobby, kommentiert StZ-Redakteur Cedric Rehman.

Aus den Stadtteilen : Cedric Rehman (cr)
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Stuttgart - Es klingt so hart, wie es doch zutreffend ist: Eine Jobgarantie für ­Orchestermusiker in der Musicalbranche könne es nicht geben, sagt der Sprecher der Firma Stage Entertainment, Stephan Jaekel. Die Musiker verstehen ihr Tun gewiss als Kunst. Aber sie arbeiten für ein Unternehmen, das sich am Markt behaupten muss. Gewinne können mit den opulenten Aufführungen aber nur ­erreicht werden, wenn möglichst viele Kunden etwas sehen und hören wollen, was so günstig wie möglich produziert worden ist.

Im Zweifelsfall bedeutet das mehr ­Musik vom Band und mehr Musiker auf der Straße. Jaekel gibt das offen zu. Private ­Musicalproduktionen erhalten nun einmal keine Subventionen vom Staat wie Theater oder Oper, sagt er. Er meint damit, dass die Produzenten schauen müssen, wo sie in wirtschaftlich ungewissen Zeiten bleiben. Rücksicht auf die Musiker zu nehmen, die seit jeher mit befristeten Verträgen leben müssen, lassen die Rechnungsbücher wohl nur noch begrenzt zu.

Wenn die Kultur zum Konsumgut wird

Für die Musiker wären die Härten des Marktes besser verkraftbar, wenn es ­genug Alternativen gäbe. Aber selbst wer zum Umzug bereit ist – und Künstler sind einiges an Mobilität gewöhnt – findet nicht so leicht einen Job, wenn es bei Stage Entertainment keinen Bedarf mehr gibt. Staatliche Orchester streichen gleichfalls ihr Budget zusammen. Auch an Musikschulen gibt es immer weniger Chancen, etwas zu finden, das den Lebensunterhalt finanziert.

Letztlich sind nicht nur Musiker, sondern auch viele anderen Künstler prekären Lebens- und Arbeitsverhältnissen oft so nahe, weil der Kommerz zunehmend die Regeln der Kunst diktiert. Es droht eine Kultur, in der Kunst zum Konsumgut wird, das den Verbraucher möglichst wenig kosten soll. Denn er will es eben so billig wie möglich haben. Deshalb darf sich niemand beklagen, wenn „Live-Entertainment“ beim Musicalbesuch immer öfter bedeutet, dass jemand live auf einen Knopf drückt, um die Musik vom Band abzuspielen.




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