Schauspiel-Chef Armin Petras gibt auf Stuttgart ist nicht Berlin

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Armin Petras ist am Neckar nie heimisch geworden. In Gedanken war der Intendant noch immer an der Spree – mit fatalen Folgen für das Haus, kommentiert unser Autor Roland Müller.

Vor einem Jahr war der Vertrag von Armin Petras als Intendant des Stuttgarter Schauspiels bis 2021 verlängert worden. Nun   gab er bekannt, dass er schon 2018 gehen wird. Foto: dpa
Vor einem Jahr war der Vertrag von Armin Petras als Intendant des Stuttgarter Schauspiels bis 2021 verlängert worden. Nun gab er bekannt, dass er schon 2018 gehen wird. Foto: dpa

Stuttgart - Schon wieder geht alles ganz schnell, just so wie vor einem Jahr, als der Vertrag von Armin Petras ohne Not vorzeitig um drei weitere Jahre verlängert worden ist. Bis 2021 sollte er das Schauspiel leiten, doch nun: die Rolle rückwärts! Was im vergangenen November ausgehandelt worden ist, hat sich erledigt. Petras erfüllt seinen ersten, bis 2018 laufenden Fünfjahresvertrag und gibt dann sein Amt auf.

Auch wenn er für diesen Schritt familiäre Gründe angibt, ist eines nicht von der Hand zu weisen: Die künstlerische Misere, in der das Schauspiel seit zwei Spielzeiten steckt, hat wohl zur überraschenden Entscheidung des 2013 aus Berlin gekommenen Intendanten beigetragen. Und dieses Berlin ist ihm in gewisser Weise auch zum Verhängnis geworden. Was dort im Gorki-Theater funktioniert hat, performatives Theater mit zunehmender Auflösung von Handlung und Figur, haben Petras und seine Epigonen gedankenlos nach Stuttgart transportiert – ungeachtet der Tatsache, dass die Landeshauptstadt nicht das hippe Berlin-Mitte und das Schauspiel der Staatstheater – anders als das Gorki – nicht eines von acht großen Häusern ist, sondern der repräsentative Leuchtturm in Baden-Württemberg überhaupt. Es hauptsächlich mit einem Nischenprogramm zu bespielen, musste schiefgehen, wie nicht zuletzt die Besucherzahlen bewiesen haben. Petras ist in Stuttgart nie heimisch geworden.

Die Tatsache aber, dass der fremdelnde Intendant jetzt einen geordneten Rückzug antritt, zeugt dann doch von seinem Verantwortungsgefühl gegenüber dem Staatstheater. Der Findungskommission bleibt jetzt immerhin ein halbes Jahr Zeit, um einen geeigneten Nachfolger zu finden – „eine machbare, aber sehr anspruchsvolle Aufgabe“, wie der Geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks am Rand der Verwaltungsratssitzung betonte. Hendriks ist auch der Einzige, der in der jetzigen Lage die Kontinuität im Haus sichern kann. Nach der Petras-Entscheidung bekommen jetzt alle drei Sparten 2018 neue Chefs: Viktor Schoner übernimmt die Oper, Tamas Detrich das Ballett – und N. N. das Schauspiel. Hoffen wir, dass hinter dem Kürzel bald ein kluger Kopf zum Vorschein kommen möge, gerne auch ein weiblicher.