Kommentar zu Accelerate Stuttgart Ritterschlag und Wermutstropfen

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Die Übernahme von Accelerate Stuttgart zeigt, dass etablierte Firmen und Startups in Baden-Württemberg zusammenwachsen. Das ist eine gute Nachricht. Startups, die weniger kompatibel für Firmen sind, haben es dafür schwerer.

Start frei für Start-ups: Accelerate Stuttgart hat hier einen wichtigen Beitrag geleistet Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Start frei für Start-ups: Accelerate Stuttgart hat hier einen wichtigen Beitrag geleistet Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Der Start-up-Standort Stuttgart wird zunehmend erwachsen. Die Tatsache, dass der deutsche Anbieter Etventure, der sich darauf spezialisiert hat, etablierte Unternehmen mit Gründern zu verknüpfen, nun in Baden-Württemberg größer einsteigt, zeigt klar, welches Potenzial dieses Geschäft hat. Das Interesse etablierter Firmen an neuen Wegen zur Innovation wächst rasant. Vor wenigen Tagen erst hat etwa der Autokonzern Daimler mit der Start-up Autobahn eines der ehrgeizigsten deutschen Kooperationsprojekte eines Unternehmens mit innovativen Gründern lanciert. Nicht die nur kleine Zahl von Arbeitsplätzen bei den Start-up-Dienstleistern ist hier relevant, sondern ihre Hebelwirkung für die gesamte Wirtschaft.

Enge Symbiose

Für die Betreiber von Accelerate Stuttgart, die in der Landeshauptstadt Pioniere waren, ist die Übernahme durch einen inzwischen weltweit präsenten Start-up-Dienstleister ein Ritterschlag. Es ist auch ein Indiz dafür, dass im Südwesten Gründer und etablierte Unternehmen eine sehr enge Symbiose eingehen müssen, um erfolgreich zu sein – vielleicht enger als anderswo. Eine Stärke Baden-Württembergs wird damit noch stärker. Man muss jetzt nicht gleich befürchten, dass nun eine eigene, regionale Marke für Start-up-Dienstleistungen verschwindet. Mit einem Partner im Rücken steht Accelerate Stuttgart klar besser da als vorher.

Damit verbunden ist aber ein kleiner Wermutstropfen: Geschäftsideen, die nicht sofort auf die Interessen einer bestehenden Firma zugeschnitten sind, weil sie sich etwa direkt an Konsumenten richten oder vielleicht ganz radikal anders sind, haben es im Land bisher schwer. Solche Konzepte gedeihen eher in Berlin, wo solche Start-ups auch mithilfe internationaler Investoren hochgezogen werden. Die im Land stärker werdende Ausrichtung auf Kooperationsprojekte zwischen Etablierten und Start-ups macht es ihnen nicht leichter. Man muss jetzt nicht gleich Sorgen haben, dass das zarte Pflänzchen von Start-ups, die ihr Geschäftsmodell abseits etablierter Firmen entwickeln, keine Chance mehr hat. Schließlich gibt es im Südwesten viele gut dotierte, auch von der öffentlichen Hand unterstützte Förderprogramme etwa für die Kreativbranche. Ein solches Ergänzungsprogramm zu den auf den bisherigen Standort ausgerichteten Ideen ist für Baden-Württemberg wichtiger denn je.