Ein Jahr vor der Bundestagswahl tritt Angela Merkel auf wie die Selbstgewissheit in Person – nicht unähnlich der Art, wie Helmut Kohl einst regierte. Ein Kommentar von StZ-Korrespondent Armin Käfer.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Berlin - In der kommenden Woche ist das Vorbild leibhaftig zu besichtigen: Die CDU huldigt Helmut Kohl – und Angela Merkel gebärdet sich schon jetzt wie der Altkanzler zu seinen besten Zeiten. Ihr Regierungsstil, die demonstrative Selbstgewissheit und Unerschütterlichkeit erinnern an den pfälzischen Patriarchen. Noch hat Merkel nicht einmal die Hälfte seiner schier endlosen Regierungszeit bewältigt. Aber die Aussichten, sich nach der Wahl im kommenden Herbst im Kanzleramt behaupten zu können, sind ja nicht schlecht für sie – obwohl der erklärte Wunschpartner FDP noch um die parlamentarische Überlebensfähigkeit bangen muss.

Im Unterschied zu Kohl hat Merkel aber schon bewiesen, dass sie auch ohne Liberale regieren kann – zur Not noch einmal mit einer großen Koalition. Solche Perspektiven mag die sozialdemokratische Konkurrenz noch so sehr von sich weisen. Am Ende reicht es vielleicht nicht für andere Konstellationen. Merkel wird wohl erneut auf einen Wahlkampf der Langeweile setzen. Sie will nicht als Parteipolitikerin brillieren, sondern schlichtweg ihr Amt behalten: als souveräne Staatsfrau. Solange es ihr gelingt, diese Rolle überzeugend zu verkörpern, stehen ihre Chancen nicht schlecht. Doch in Zeiten der Eurokrise gibt es größere Risiken als die sklerotische FDP und die unkalkulierbare CSU.