Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, sucht nach der richtigen Strategie. Beim Chef der Commerzbank ist bereits eine Strategie erkennbar. Traditionalisten oder Investmentbanker, der Zwist in der deutsche Bankenszene ist nicht neu.

Frankfurt - John Cryan hat keine leichte Aufgabe übernommen. Der Brite ist aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank zuerst als Co-Chef und nun als alleiniger Vorstandschef an die Spitze des Instituts gerückt. Nun muss er, beinahe zeitgleich mit dem neuen Chef der Nummer zwei der deutschen Bankenbranche, mit Martin Zielke von der Commerzbank, einen Plan vorlegen, wohin die Reise für das größte deutsche Kreditinstitut gehen soll. Während Zielke, der den Laden in- und auswendig kennt, relativ klar nach vorn schauen kann und dabei vor allem auf das Privatkundengeschäft vertrauen wird, das er selbst jahrelang geführt hat, steckt Cryan eher in einem Dilemma. Die größte Bank war und ist bisher einer der größten Spieler weltweit. Das hat Milliarden gekostet, weil eben bei diesen „Spielen“ einiges schief gelaufen ist, weil Kontrollen versagt haben, weil Maßstäbe verloren gingen und und und. Erst einmal müsste Cryan also diese „Altlasten“ endgültig beseitigen – aber das ist keine einfache Sache, da es nicht nur um Milliarden geht, sondern auch diverse Gerichte in verschiedenen Ländern ein gewichtiges Wort mit zusprechen haben.

 

Keine Strategie erkennbar

Wie kann man da eine neue Strategie entwerfen? Soll die Deutsche Bank dem Vorbild der Commerzbank folgen und zur „Großsparkasse“ werden? Genauer gesagt, sollte auch die Deutsche Bank sich auf das besinnen, was eigentlich die klassische Aufgabe von Kreditinstituten ist? Oder will man weiter im Konzert der ganz Großen mitmischen, die weltweit Geschäfte machen, bei allem dabei sind, was gerade aktuell ist?

Dieser Zwiespalt ist für die Deutsche Bank nicht neu. Es gab schon immer wieder mal den Streit zwischen den „Traditionalisten“ und den Investmentbankern, zwischen Frankfurt und London. Nun soll ausgerechnet ein Brite die richtige Brücke zwischen diesen beiden Polen schlagen. Kein Wunder, dass er dafür etwas länger braucht, einfach ist die Lösung nicht.