Ebola breitet sich in mehreren afrikanischen Ländern rasant aus. Es gibt keine Arznei gegen das Virus. Aber strenge Quarantäne, unterstützt durch internationale Hilfe, könnte wirken, kommentiert Wissenschaftsredakteurin Tanja Volz.
Stuttgart - Das Virus aus dem Dschungel weckt Urängste in den Menschen. Als überaus aggressiver Erreger spielt Ebola in nicht nur einem Horror- und Katastrophenfilm aus Hollywood die Hauptrolle. Ärzte in monströsen, gelben Schutzanzügen kämpfen in den Filmen einen aussichtslos anmutenden Kampf gegen ein todbringendes Virus, das sich massenhaft verbreitet. Bisher konnte man sich bei diesen Thrillern zurückgelehnt gruseln, denn von diesem Virus ging keine wirkliche Gefahr aus, auch nicht im fernen Afrika. In der 40-jährigen Geschichte der Seuche blieb die Erkrankung stets lokal begrenzt. Das Virus hat seinen Wirt, den Menschen, üblicherweise so schnell getötet, dass eine größere Ausbreitung kaum möglich war.
Das ist nun anders: Weil dieses Ebola-Virus etwas weniger tödlich ist als seine bisherigen Verwandten, kann es sich leichter verbreiten. Ein infizierter Mensch ist bei dieser Epidemie noch in der Lage, sich vom einen Dorf ins nächste und bis in die nahe gelegenen Städte zu begeben. Einer der ersten Patienten, ein Mädchen, wurde im Dreiländereck Guinea, Sierra Leone und Liberia behandelt – mit Verdacht auf Cholera. Das Pflegepersonal und die Menschen in der Umgebung, die einmal diesseits, einmal jenseits der Grenze arbeiten, haben das Virus verbreitet. Mittlerweile sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO fast 5000 Menschen an Ebola erkrankt, die Hälfte ist an der schweren Krankheit gestorben. Bis zum Ende der Epidemie wird noch mit vielen Tausenden Fällen gerechnet.
Die Hilferufe der humanitären Organisationen verhallten
Bisher hatte man aus Europa und den USA zugesehen. Die Hilferufe der humanitären Organisationen wurden kaum gehört. Nun hat sich US-Präsident Barack Obama gemeldet und schickt Hilfe in die betroffenen Gebiete: 3000 Soldaten sollen in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden Kliniken und Behandlungszentren für die Betroffenen errichten. Dieser Einsatz sowie finanzielle Hilfe sind dringend nötig. Wirksame Medikamente gibt es ebenso wenig wie einen Impfstoff. Es wird zwar geforscht, doch für diese Epidemie werden die Arzneimittel keine Rolle mehr spielen. Die Zeit läuft davon, das Virus verbreitet sich zu schnell. Doch auch wenn erprobte Medikamente nicht existieren, könnte die Seuche eingedämmt werden: mit strenger Quarantäne. Und dafür braucht man ausgebildete Helfer, die das Pflegepersonal vor Ort schulen. Denn das Virus fliegt nicht, es verbreitet sich nicht durch die Luft wie etwa Grippeviren. Anstecken kann man sich nur über den direkten Kontakt mit den Ausscheidungen einer infizierten Person. In der richtigen sterilen Umgebung und mit dem richtigen Verhalten können Patienten gepflegt werden, ohne dass die Pflegekräfte um ihr Leben fürchten müssen. Dazu sind Schutzkleidung und vor allem Desinfektionsmittel in riesigen Mengen notwendig – vielerorts mangelt es daran.
Viel Geld und viel Personal kann die Seuche eindämmen
Eine wichtige Strategie wäre es zudem, die Seuche dort aufzuhalten, wo sie entsteht: in den Dörfern, in den Familien. Hier werden die Kranken gepflegt. Hier versuchen sie, meist mit Sammeltaxis, in eine Klinik oder ein Behandlungszentrum zu kommen, um dann vor verschlossener Türe zu stehen. Denn die meisten Zentren sind überfüllt. So verbreitet sich das Virus massenhaft weiter. Lokale Isolierstationen in den einzelnen Gemeinden könnten diese Verbreitung aufhalten: Quarantäne zu Hause. Geschultes Personal müsste sich um die Kranken kümmern, sowohl medizinisch als auch logistisch, etwa mit Nahrung und den Dingen des täglichen Lebens. Es gilt, das Selbsthilfepotenzial der betroffenen Länder zu nutzen. Es ist vorhanden, berichten Experten.
Mit massiver finanzieller und personeller Hilfe für die betroffenen Länder könnte die Seuche so noch eingedämmt werden. Aber die Welt muss etwas dafür tun – und zwar jetzt.