Kommentar zu Flugbuchungen Große Lücken im Gesetz

Wer seinen Flug getrennt  von  der Reise bucht,  geht ein hohes Risiko ein. Foto: dpa
Wer seinen Flug getrennt von der Reise bucht, geht ein hohes Risiko ein. Foto: dpa

Wer seinen Flug selbst bucht, geht ein Risiko ein. Flugreisende müssen gegen Airline-Pleiten besser abgesichert werden, fordert unser Luftfahrtexperte Thomas Wüpper.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Berlin - Man kann es nicht oft genug betonen: Bei Flug- oder Hotelbuchungen, die getrennt vorgenommen werden, gilt das Pauschalreiserecht nicht. Das bedeutet kurz gesagt, dass ein gesetzlicher Schutz des vorab gezahlten Geldes fehlt. Wer sich im Internet also selbst eine Reise zusammenstellt, spart vielleicht ein paar Euro – aber man geht auch ein nicht zu unterschätzendes Risiko ein. Vermutlich muss erst eine größere Airline in die Pleite rutschen, bevor die Politik endlich für besseren Verbraucherschutz sorgt. Warum dürfen Airlines und Online-Portale überhaupt die sofortige Zahlung des gesamten Flugpreises verlangen? Und das oft Monate im Voraus und ohne Garantie, dass die Leistung später auch erbracht wird.

Die Politik muss handeln

Das Insolvenzrisiko wird so komplett auf den Verbraucher verlagert, überdies profitieren die Unternehmen von Zins- und Liquiditätsvorteilen. Das Mindeste wäre, nur eine Anzahlung gesetzlich zuzulassen. Ein Bauträger darf den Kaufpreis für einen Hausbau schließlich auch abhängig vom Baufortschritt kassieren. Auch bei Pauschalreisen dürfen Veranstalter vorab nur eine Anzahlung von meist bis zu 30 Prozent und den Rest erst 30 Tage vor Reisebeginn verlangen. Das ist fair und vernünftig. Was spricht dagegen, die Reisenden auch bei Flugbuchungen auf diese einfache Weise zu schützen? Der Bundesgerichtshof hat sich vor wenigen Monaten mit diesen Fragen beschäftigt. In drei Musterverfahren zu Klagen gegen die sofortige vollständige Zahlung des Flugpreises sahen die höchsten Richter erstaunlicherweise keine unangemessene Benachteiligung der Fluggäste. Das Insolvenzrisiko der Airlines werde durch staatliche Kontrollen deutlich verringert, so lautete eine der wenig überzeugenden Argumentationen.

Fakt ist: Den Schaden bei Airline-Pleiten tragen nach bisheriger Rechtslage im schlimmsten Fall vor allem die Kunden. Das sollten verantwortungsbewusste Politiker nicht länger dulden und eine bessere Absicherung durchsetzen. Und zwar ganz unabhängig von Lobby-Getöse und bisherigen juristischen Bewertungen.

Unsere Empfehlung für Sie