Kommentar zu Gaucks Rede Präsidialer Weckruf

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Die Münchener Sicherheitskonferenz beginnt mit deutlichen Worten des Bundespräsidenten. Joachim Gauck hat recht: die Bundesrepublik muss sich international stärker engagieren, kommentiert StZ-Korrespondent Armin Käfer.

Bundespräsident Gauck will, dass sich Deutschland in der Welt stärker engagiert Foto: dpa
Bundespräsident Gauck will, dass sich Deutschland in der Welt stärker engagiert Foto: dpa

München - Deutschland muss endlich erwachsen werden. Auf diesen Kernsatz lässt sich die Rede des Bundespräsidenten zum Auftakt der Sicherheitskonferenz in München verdichten. Es war eine historische Rede. Sie könnte ein neues Kapitel in der bundesdeutschen Geschichte einleiten. Joachim Gauck hat damit ein Thema gesetzt, welches das Thema seiner Präsidentschaft werden könnte: Deutschlands Rolle in der Welt.

Die in der Politik diskutierten Vorstellungen hierzu sind bisher allenfalls diffus, klare Bekenntnisse rar. Es bedarf einer Selbstbesinnung und einer offenen Debatte über deutsche Interessen. Das ist ein heikles Unterfangen. Gauck redet keineswegs einer Politik nach wilhelminischem Muster das Wort: Am deutschen Wesen möge die Welt genesen, galt seinerzeit. Solches Denken findet heute keinen Widerhall. Dem Präsidenten ist an einem klaren Bekenntnis zu einem internationalen Engagement gelegen, das dem ökonomischen und politischen Gewicht Deutschlands entspricht. Das hat mit neoimperialer Kraftmeierei nichts zu tun. Allerdings wird dann auch über die Mittel zu reden sein, die ein derartiges Engagement erfordert – finanzielle und militärische Mittel. Und Gauck muss wissen: die Mehrheit der Bürger steht in dieser Angelegenheit nicht auf seiner Seite. Sie muss erst überzeugt werden.