Kommentar zu Gerd Mäuser Zeichen der Zeit nicht erkannt

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Der Aufsichtsrat des VfB ignoriert die Sorgen an der Clubbasis und macht sich dadurch angreifbar, meint StZ-Sportchef Peter Stolterfoht.  

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Peter Stolterfoht (sto)
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Stuttgart - Nun ist also auch offiziell verkündet, was schon lange kein Geheimnis mehr war. Bei der Hauptversammlung des VfB Stuttgart am 18. Juli dankt der Präsident Erwin Staudt ab. Anstelle des 63-Jährigen, der dem Fußball-Bundesligisten acht Jahre lang vorstand, soll nun der ehemalige Porsche-Manager Gerd Mäuser das Amt übernehmen. Dieser Wechsel beinhaltet der Tagesordnungspunkt "Wahl des Präsidenten", bei dem es sich bei genauerer Betrachtung allerdings um die Vortäuschung falscher Tatsachen handelt. Denn gewählt wird beim VfB schon lange kein Präsident mehr. Die Mitglieder dürfen dem vom Aufsichtsrat vorgeschlagenen Kandidaten lediglich ihre Zustimmung geben.

Dass die Basis nicht mehr direkt ihren Präsidenten wählen darf, hat durchaus seine Berechtigung. Diffuse Versammlungssituationen (Prost!) haben schon vielen Abtimmungsberechtigten die Sinne vernebelt, wodurch gänzlich ungeeignete Personen ins höchste Vereinsamt gespült worden sind. Es hätte aber durchaus einen Mittelweg gegeben, um sowohl dem Ruf nach mehr Vereins-Demokratie als auch der Sorge vor der wilden Clubhaus-Revolution gerecht zu werden: indem der Aufsichtsrat den Mitgliedern zwei Kandidaten zur Wahl vorschlagen würde.

Direkter Weg ins operative Clubgeschäft

Neben Gerd Mäuser hätte das auch gar nicht zwingend der Vereinskritiker und oppositionelle Präsidentschaftsbewerber Björn Seemann sein müssen. Auch ein dem Aufsichtsratsboss Dieter Hundt genehmerer Kandidat als der 39 Jahre alte Bankmanager wäre schon ein wichtiger Beleg dafür gewesen, dass nach einer auf allen Ebenen völlig verkorksten VfB-Saison auch in der Chefetage die Zeichen der Zeit erkannt worden sind.

Mit der Solo-Nominierung von Gerd Mäuser steht Dieter Hundt nun außerdem im Verdacht, sich über seinen bisherigen Aufsichtsratskollegen einen direkten Weg ins operative Clubgeschäft verschaffen zu wollen. Und Mäuser selbst muss als Präsident zunächst den Zusatz fürchten: von Hundts Gnaden.




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