Kommentar zu Handelsketten Es bilden sich machtvolle Konzerne

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Die Dominanz der größten Handelskonzerne bedroht vor allem die Hersteller. Den Kunden kann es dagegen egal sein, ob der Laden nun Tengelmann oder Edeka heißt, findet StZ-Redakteur Thomas Thieme.

In Verhandlungen über die Aufnahme von Produkten ins Sortiment können starke Händler immer bessere Konditionen gegenüber den Herstellern durchsetzen. Foto: dpa
In Verhandlungen über die Aufnahme von Produkten ins Sortiment können starke Händler immer bessere Konditionen gegenüber den Herstellern durchsetzen. Foto: dpa

Stuttgart - Erst verabschiedete sich Spar, dann verschwand Plus von der Bildfläche, und als Nächsten trifft es offenbar Kaiser’s Tengelmann. Mit dem Verkauf der traditionsreichen Lebensmittelsparte an Edeka könnte bald ein weiterer vertrauter Name aus dem gewohnten Stadtbild und dem Alltag deutscher Konsumenten verschwinden. Die Konzentration im Markt schreitet weiter voran. Den Verbrauchern, die den Verlust einer angestammten Marke nicht nostalgisch betrauern wollen, entstehen dadurch nicht unbedingt Nachteile: Dann steht eben ein anderer Name am Eingang des Geschäfts, in dem sie ihre Wochenendeinkäufe erledigen. Es gibt wichtigere Kriterien für die Auswahl einer Einkaufsstätte. Entscheidend ist doch, dass der Laden geöffnet bleibt, die Kunden keine längeren Wege in Kauf nehmen müssen und Atmosphäre und Angebot stimmen.

Das Bundeskartellamt wird dennoch genau und möglicherweise auch lange prüfen, ob es der Umflaggung von 450 roten Tengelmann-Läden zu blau-gelben Edeka-Verkaufsstätten seinen Segen erteilt. Als „hoch konzentriert“ hat die Behörde den Lebensmitteleinzelhandel in einer Marktstudie Ende September bezeichnet. Vier national tätige Einzelhändler – neben Edeka noch Rewe, die Schwarz-Gruppe und Aldi – vereinen demnach 85 Prozent des bundesweiten Absatzes. Innerhalb dieses machtvollen kleinen Zirkels nimmt Edeka noch einmal eine Sonderstellung ein: sowohl die Verkaufsfläche als auch die Standortdichte der Hamburger ist mehr als doppelt so hoch wie die des jeweils nächsten Verfolgers.

Vor allem die Hersteller der Produkte, die sich in den immer einheitlicheren Supermarkt- und Discounterregalen stapeln, müssen angesichts der konzentrierten Handelsmacht Nachteile befürchten, weil die Einkäufer damit in Verhandlungen die Preise drücken können. Getroffen würden vor allem hiesige Produzenten, denn – auch das ist ein erstaunliches Ergebnis der jüngsten Untersuchung des Kartellamtes – der Löwenanteil der Sortimente stammt aus heimischen Landen.

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