Kommentar zu Hebammen in Stuttgart Wachsende Unzufriedenheit

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Hebamme ist einer der ältesten und elementarsten Frauenberufe. Doch immer mehr Geburtshelferinnen steigen aus. Deshalb muss der Beruf wieder attraktiver gemacht werden, findet Mathias Bury.

Die Zahl der Hebammen sinkt. Foto: dpa
Die Zahl der Hebammen sinkt. Foto: dpa

Stuttgart - Wer sich ein Bild davon machen will, wie es um den Berufsstand der Geburtshelferin bestellt ist, werfe einen Blick auf die Homepage des Deutschen Hebammenverbands. Dort findet sich eine erstaunlich lange und überraschend aktuelle Liste, wo überall Kreißsäle ganz oder doch vorübergehend geschlossen worden sind. Neben mangelnder Wirtschaftlichkeit, unter der oft kleinere Häuser leiden, die im Jahr nur einige Hundert Entbindungen ­haben, ist Hebammenmangel einer der am meisten dafür genannten Gründe.

In Stuttgart ist man von solchen Verhältnissen weit entfernt. Die Personalnot in der städtischen Frauenklinik aber zeigt: Auch in der hiesigen Region hat diese allgemeine Entwicklung Auswirkungen.

Trend zur Geburt im Krankehaus

In den vergangenen Jahren hat sich der Trend zur Geburt im Krankenhaus verstärkt. Die Zahl der Hausgeburten geht zurück. So sind die medizinischen Kriterien verschärft worden, wann dies noch möglich ist, ohne dass ein Arzt hinzugezogen werden muss. Die horrend gestiegenen ­Prämien der Haftpflichtversicherer haben ­vielen freiberuflichen Hebammen den Wunschberuf verleidet. Im Belegsystem der Geburtshäuser, die in Stuttgart mit einem Viertel aller Geburten ein wichtiges Element der Versorgung sind, stagnieren die Zahlen. Zugelegt haben die großen Häuser. Dies spiegelt die Haltung vieler werdender Eltern wider, die bei der Geburt höchstmögliche Sicherheit für Mutter und Kind wollen.

Es sind vor allem die Hebammen selbst, denen diese Entwicklung missfällt. Deren Verbände klagen, dass aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und eines übertriebenen Sicherheitsdenkens der natürliche Vorgang der Geburt pathologisiert werde. Nur dürfte diese Kritik am Gang der Dinge wenig ändern. Ungehört sollte sie dennoch nicht verhallen. Schon gar nicht bei wachsenden Geburtenzahlen. Die Verantwortlichen in der Politik und in den Krankenhäusern sollten sich bemühen, den Beruf der Hebamme – einen der ältesten und elementarsten Frauenberufe überhaupt – unter den veränderten Bedingungen wieder ­attraktiver zu machen. Dazu gehört, dass die Arbeitsbedingungen besser werden.

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