Kommentar zu Homosexualität im Unterricht Kirche im Dorf lassen

Über den neuen Bildungsplan an baden-württembergischen Schulen ist wegen des Unterrichtsthemas Homosexualität Streit ausgebrochen. Foto: dpa-Zentralbild
Über den neuen Bildungsplan an baden-württembergischen Schulen ist wegen des Unterrichtsthemas Homosexualität Streit ausgebrochen. Foto: dpa-Zentralbild

Das baden-württembergische Kultusministerium will die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ im Schulunterricht vermittelt. Die Befürchtungen verschiedener Kreise sind weit überhöht, findet StZ-Redakteurin Renate Allgöwer.

Landespolitik: Renate Allgöwer (ral)
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Stuttgart - Zur Beruhigung: Es wird auch weiterhin Mathematik und Deutschunterricht an den Schulen geben. Man wird auch nach der Einführung des neuen Bildungsplans in den Klassenzimmern nicht ständig nur über Homosexualität und sexuelle Vielfalt sprechen. Den Eindruck könnte man allerdings gewinnen, angesichts der Flut von Kommentaren und Auseinandersetzungen über die Online-Petition zum künftigen Bildungsplan. Das Thema “Akzeptanz sexueller Vielfalt“ ist weit überhöht. Es geht gewiss nicht um „Umerziehung“ sondern um Toleranz und Gleichstellung. Es geht nicht darum, dass eine Minderheit angeblich das Denken der Mehrheit bestimmen will. Es geht statt dessen darum, Vorurteile abzubauen und respektvoll miteinander umzugehen. Hier liegt nach wie vor einiges im Argen. Das meist gebrauchte Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen ist, „du schwule Sau“. Mehr ist zum Aufklärungsbedarf nicht zu sagen.

Die erbitterte und weit überzogene Debatte offenbart jedoch viele Ängste. Darüber kann ein Bildungsplan nicht hinweggehen. Per Dekret und Aktionsplan für Toleranz und Gleichstellung, wie ihn die Regierung vorsieht, lassen sich Offenheit und Aufgeschlossenheit nicht einführen. Es ist nötig, das Thema im Schulunterricht sachlich und mit dem ihm zukommenden Gewicht anzugehen. Dazu ist aber eine sensible Vorbereitung notwendig. Vor allem die Lehrer dürfen nicht im Regen stehen gelassen werden.

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