Kommentar zu Inflationsprognosen Zwei Prozent sind kein Dogma

Von Klaus Dieter Oehler 

Wenn die Wirtschaft langsamer wächst, können auch die Preise langsamer steigen, meint StZ-Korrespondent Klaus Dieter Oehler.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnt ständig vor den Risiken der Niedrigzinspolitik. Foto: dpa
Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnt ständig vor den Risiken der Niedrigzinspolitik. Foto: dpa

Frankfurt - Langsam, aber sicher scheint auch den europäischen Notenbankern der Optimismus auszugehen. Nachdem schon am Donnerstag der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, es beinahe wie einen Erfolg verkauft hatte, dass die Teuerungsrate in der Eurozone „schon“ 2018 mit 1,6 Prozent wenigstens wieder in die Nähe des Ziels von zwei Prozent kommen könnte, schraubte am Freitag auch die eher skeptische Bundesbank ihre Erwartungen herunter.

Zwar sind die Volkswirte von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann etwas zuversichtlicher als ihre EZB-Kollegen und sagen sowohl für das deutsche Wirtschaftswachstum als auch für die Inflationsrate etwas höhere Raten voraus als für den gesamten Euroraum, aber sie machen auch gleich den Vorbehalt, dass die Ölpreisentwicklung die aktuellen Prognosen schnell wieder zunichtemachen könnte.

Ohne Energiekosten entwickeln sich die Preise wie erhofft

Es gab eine Zeit, da haben sich die Währungshüter noch damit beruhigt, dass es eine sogenannte Kerninflationsrate gebe. Rechnet man nämlich die Energiekosten heraus, entwickeln sich die Preise durchaus so, wie dies die Zentralbanker für ein gesundes Wirtschaftswachstum für nötig halten. Aber kann man wirklich so rechnen? Sind nicht die Benzinpreise oder auch die Heizkosten ein entscheidender Faktor in jeder Haushaltsrechnung? Für jeden Arbeitnehmer, der morgens und abends mehrere Kilometer mit dem Auto fährt, um zu seinem Arbeitsplatz zu kommen, macht es einen erheblichen Unterschied, wie hoch der Benzinpreis ist. Aber auch gesamtwirtschaftlich sollte das ausgegebene Inflationsziel von zwei Prozent kein Dogma mehr sein.

Richtig und wichtig ist es, die negative Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, weniger Investitionen und mangelnder Kauflust – die Deflation – zu verhindern. Davon sind wir, zumindest in Deutschland, glücklicherweise trotz der niedrigen Inflationsraten weit entfernt, im Gegenteil, gerade die Kauflaune der Verbraucher führt dazu, dass die deutsche Wirtschaft derzeit wächst. Die Geldpolitik hat für weitere Anreize ihr Pulver weitgehend verspielt. Und wenn es mit der Wirtschaft weiter bergauf geht, werden auch die Preise früher oder später steigen.