Kommentar zu Kleingartenkolonie Ludwigsburg Scheindebatte um Gartenlauben

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Eine Kleingartenkolonie muss umziehen, weil das Ludwigsburger Gewerbegebiet Waldäcker vergrößert wird. Die Stadträte legen viel Gefühl für die Laubenpieper an den Tag, zeigen aber wenig Verständnis für die Wirtschaft, meint unser Kommentator Ludwig Laibacher.

Ludwigsburg erstellt einen Bebauungsplan für den Römerhügel. Foto: Pascal Thiel
Ludwigsburg erstellt einen Bebauungsplan für den Römerhügel. Foto: Pascal Thiel

Ludwigsburg - Die Kleingärtner müssen ihre Kolonie an der Frommannkaserne räumen, das ist seit 2011 so beschlossen. Hat sich die Stadtverwaltung anfangs noch viel Zeit gelassen, wird jetzt mächtig Tempo gemacht: Bis Ende November sollen die Archäologen die keltischen und römischen Funde am künftigen Kleingartengelände Römerhügel geborgen haben, und bis Ende August 2017 soll das letzte Gütle im Gebiet Waldäcker leer sein. Den Zeitplan diktiert der Wirtschaftsförderer. Ein sicheres Indiz dafür, dass potente Interessenten angeklopft haben.

Unverständlich ist, dass Stadträte immer noch keine anderen Sorgen haben, als die, wo die Laubenpieper künftig ihre Geräte einlagern können, ob nicht doch jede Parzelle einzeln eingefriedet werden müsse und ob man die Frist noch um vier Wochen verlängern könne. Natürlich kann man das als Showeinlage für die hinteren Ränge abtun, mit der die Räte den in der Ausschusssitzung anwesenden Kleingärtnern ihr besonderes Mitgefühl bekunden wollten. Doch für Gefühliges ist es zu spät.

Das Schicksal der Kleingärten ist längst besiegelt – und zwar per Gemeinderatsbeschluss. Unangebracht ist es auch, in dieser Situation einen Basar zu eröffnen, auf dem noch einmal um sogenannte Entschädigungen gefeilscht wird: Sollte ein Schrebergärtner mit 1000 Euro – oder doch besser mit 5000 Euro abgefunden werden? Selbstverständlich fällt den betroffenen Kleingärtnern der Umzug nicht leicht. Aber klar dürfte auch sein, dass sie der Verlust von Heimat mehr schmerzt als die Aufgabe von Hütten und Blumen. Das lässt sich sicher nicht mit leeren Worten, aber auch nicht mit Geld aufwiegen.

Während die Stadträte viel Verständnis für die Sorgen der Kleingärtner an den Tag legen, geht ihnen offenbar jegliches Verständnis für die Belange der Wirtschaft ab. Wie anders wäre zu verstehen, dass in der jüngsten Sitzung jede Äußerung dazu in der gleichen Drohung gipfelte: Die Verwaltung solle am Frommanngelände nur ja keine Spedition ansiedeln. Andernfalls gebe es Protest. Man reibt sich die Augen. Eine Spedition? Im Ernst? Sind das die gleichen Stadträte, die seit einem Jahr über die Entwicklung der Weststadt diskutieren? Wissen die eigentlich, dass Porsche, Daimler und Bosch dort große Projekte vorantreiben wollen? Statt eine Zukunft an die Wand zu malen, die so bestimmt niemals eintreten wird, sollten sie endlich einmal wirklich den Blick in die Zukunft wagen.