Kommentar zu Schmerzensgeld für S-21-Gegner Mehr als nur ein Symbol

Viele können der Polizei bis heute den überharten Einsatz am „Schwarzen Donnerstag“     nicht verzeihen. Er wurde vom Verwaltungsgericht als rechtswidrig eingestuft. Foto: dpa
Viele können der Polizei bis heute den überharten Einsatz am „Schwarzen Donnerstag“ nicht verzeihen. Er wurde vom Verwaltungsgericht als rechtswidrig eingestuft. Foto: dpa

Mit den Schadensersatzzahlungen setzt die Polizei ein Zeichen: Der Schuldspruch ist anerkannt, die Entschuldigung ernst gemeint. Nun ist es an den S-21-Gegnern, zur Versöhnung bereit zu sein, meint StZ-Redakteurin Christine Bilger.

Lokales: Christine Bilger (ceb)
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Stuttgart - Zeit heilt alle Wunden, sagt das Sprichwort. Stimmt nicht, lehrt die Erfahrung. Und: Was die Zeit nicht heilen kann, das vermag Geld erst recht nicht aufzuwiegen. Bezogen auf die Verletzten vom Schwarzen Donnerstag bedeutet das zweierlei. Zum einen kann man auch nach knapp sechs Jahren nicht davon ausgehen, dass die vom überharten Polizeieinsatz Getroffenen längst vergessen und vergeben hätten, was ihnen widerfuhr. Das mindert auch das Urteil vom vergangenen Winter nicht, wonach der Einsatz rechtswidrig war. Auch kann kein Geld der Welt den Schwerverletzten die Unversehrtheit der Augen ersetzen, niemals.

Der lange Atem der Kläger war wichtig

Trotzdem ist es gut, dass nun Geld fließt. Wenngleich manche Rufe schon laut werden, es handele sich lediglich um symbolische Beträge, sind die Summen doch mehr: Sie untermauern, dass die Entschuldigung des Ministerpräsidenten und der Polizeispitze im vergangenen Winter ernst gemeint waren. In den Fällen der Schwerverletzten ist das Geld vielleicht sogar ausreichend, um sich zum Ausgleich für die Einschränkungen Hilfsmittel zu leisten. Auch wenn all dies ein schwacher Trost ist, bleibt am Ende vieler hart geführter Gerichtsprozesse die versöhnende Wirkung. Die Zahlungen sind noch mehr als die ausgesprochenen Entschuldigungen ein Zeichen dafür, dass eines klar erkannt wurde: Was am 30. September 2010 im Schlossgarten geschah, war nicht rechtmäßig. Der lange Atem der Kläger war wichtig, um dies am Ende feststellen zu lassen.

Die Zeit ist reif für die Versöhnung

Viel Groll und Verletzung haben die S-21-Gegner seit jenem Schwarzen Donnerstag mit sich herumgetragen. Lange haben einige von ihnen das, was an einem Tag geschah, auf die gesamte Polizei und all ihr Handeln projiziert, manche gar den Rechtsstaat und sein Funktionieren in Frage gestellt. Vergessen und vergeben muss nicht jeder. Aber der Versöhnung eine Chance geben, dafür ist allerspätestens jetzt die Zeit reif.




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