Kommentar zu Schwarz-Grün Demokratische Normalität

Regierungspartner: Tarek Al-Wazir (Grüne) und Volker Bouffier (CDU/von links) Foto: dpa
Regierungspartner: Tarek Al-Wazir (Grüne) und Volker Bouffier (CDU/von links) Foto: dpa

In Hessen ist die erste schwarz-grüne Regierung in einem Flächenland perfekt. Was früher eine Sensation gewesen wäre, ist heute demokratische Normalität, kommentiert die StZ-Redakteurin Barbara Thurner-Fromm.

Politik: Barbara Thurner-Fromm (tuf)
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Stuttgart - Theodor Heuss, der erste Bundespräsident, hat Bundeswehrsoldaten einmal mit den Worten ins Manöver verabschiedet: „Nun siegt mal schön.“ Ein simpler Satz, der – befreit von jeder sprachlich-pathetischen Überhöhung – auf den Punkt bringt, was die Kernaufgabe eines Soldaten ist. Ähnlich lapidar könnte man auch dem ersten schwarz-grünen Regierungsbündnis in einem Flächenland zurufen: „Nun regiert mal schön.“ Denn was in Hessen in den vergangenen Wochen recht unspektakulär und geräuschlos verhandelt wurde, ist nach dem Lehrbuch der Demokratie eine schiere Normalität: Zwei etablierte Parteien, von denen jede für sich keine Mehrheit hat, die aber gemeinsam eine stabile Regierung bilden können, schmieden eine Koalition.

Gleichwohl wird Schwarz-Grün in Hessen mit besonderem Interesse beäugt, denn die Landesgeschichte ist geprägt von außergewöhnlich harten politischen Konflikten zwischen den Parteien. In den 80er Jahren etwa wollte der damalige SPD-Ministerpräsident Holger Börner den aufsässigen Grünen am liebsten mit der Dachlatte zu Leibe rücken. 1985 musste er im Gegenzug ertragen, dass Joschka Fischer in Turnschuhen und Bluejeans zur Vereidigung als Umweltminister im Parlament erschien.




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