Kommentar zu Siemens Das Geld ist zu billig

Fremdkapital ist billiger als Eigenkapital. Foto: AP
Fremdkapital ist billiger als Eigenkapital. Foto: AP

Der Konzern geht mit dem Tausch von Eigen- und Fremdkapital beträchtliche Risiken ein, meint StZ-Redakteur Michael Heller.

Wirtschaft: Michael Heller (mih)
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Stuttgart - So überraschend die Entscheidung von Siemens ist, so leicht nachvollziehbar ist die Rechnung, die Finanzchef Joe Kaeser aufmacht: Fremdkapital ist gegenwärtig einfach deutlich billiger als Eigenkapital. An der Börse heißt es, der Unterschied liege bei einem bis eineinhalb Prozentpunkten. Das ist Geld, das die Münchner mitnehmen wollen. An der Liquidität wird sich kaum etwas ändern; es sind nach der Aktion ähnlich viele Mittel da wie vorher – das Geld gehört nur jemand anderem. In dieser Änderung des Besitztitels sehen die Münchner offenbar kein allzu großes Risiko. Das mag gegenwärtig und kurzfristig auch für die Zukunft stimmen. Denn die Bonität des Unternehmens wird nirgendwo an den Märkten infrage gestellt. Aber das kann sich sehr schnell ändern. Ob die jetzt angekündigten Kapitalmaßnahmen wirklich weitsichtig sind, steht doch sehr infrage.

Aktionäre verzichten in schlechten Zeiten auch einmal auf Dividende und bleiben häufig trotzdem bei der Stange. Anleihekäufer sind keine Miteigentümer, sondern Gläubiger; sie sind kaum zum Verzicht zu bewegen. Es ist noch nicht lange her, da haben die Banken jedes mittelständische Unternehmen dazu gedrängt, die Eigenkapitalausstattung zu verbessern. Lange galt der Mittelstand als zu kreditlastig auf der Finanzierungsseite. Das ist vielfach Vergangenheit, die Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Es sind Hausaufgaben, die Siemens glaubt, nicht machen zu müssen. Ein zusätzliches Risiko geht der Konzern durch die Emission im Ausland ein. Kaeser denkt an Anleihen im Volumen von drei Milliarden Euro, die in Pfund und vor allem in US-Dollar begeben werden sollen. Damit steigt das Währungsrisiko.

Dass Siemens Operationen wie den Tausch von Eigen- in Fremdkapital ins Auge fasst, zeigt auch wieder einmal, dass die Finanzmärkte aus dem Lot geraten sind. Für gute Adressen wie den deutschen Staat und eben auch große Konzerne wie Siemens ist Geld gegenwärtig viel zu billig.

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