Simon Strauß Literatur unter Verdacht

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Ist der Autor Simon Strauß ein Rechter oder ein Opfer der Inquisition? Im schlimmsten Fall beides. Ein Kommentar von Stefan Kister.

Cover von Simon Straß’ Debüt „Sieben Nächte“. Der Roman steht im Mittelpunkt einer Debatte.Foto: Verlag Foto:  
Cover von Simon Straß’ Debüt „Sieben Nächte“. Der Roman steht im Mittelpunkt einer Debatte. Foto: Verlag

Stuttgart - Es tobt ein Reinigungsgewitter über und in den Köpfen. Das Dumme ist nur, dass die Grenzen zwischen der dringend notwendigen Beseitigung angesammelter Schmutzigkeiten und puritanischem Putzwahn so fließend sind. Nein, es geht diesmal nicht um sexuelle, sondern um ideologische Übergriffe, die freilich für den Bezichtigten ähnlich vernichtend sein können. In der taz beschuldigte Alem Grabo­vac kürzlich den im letzten Jahr noch als Sprachrohr seiner Generation allseits gefeierten Jungautor Simon Strauß einer Nähe zur Neuen Rechten. Sein Romandebüt „Sieben Nächte“ beschwöre Schicksalsgemeinschaften und feiere den Kampf in den Schützengräben des Geistes. Unversehens macht der taz-Inquisitor aus einem Roman ein Prosamanifest, dessen politisch anstößige Seiten er vorwiegend mit außerliterarischen Beobachtungen unterfüttert, wozu neben Strauß’ journalistischer Tätigkeit als FAZ-Redakteur, sein raunender Vater Botho zählt oder ein obskurer Salon, in dem einmal auch der Wortführer der nationalistischen Mobilmachung, Götz Kubitschek, eingeladen war.

Ewiggleiche Debatten-Rituale

So weit, so verdächtig. Man muss allerdings das von Strauß in seinem Roman gepflegte diffuse Unbehagen an der Kultur nicht als Ausdruck eines aktuellen Lebensgefühls feiern, wie es der biegsame „Spiegel“-Literaturchef Volker Weidermann beim Erscheinen des Romans getan hat, um daran Anstoß zu nehmen, wie nun plötzlich Gesinnungsalarm geschlagen wird, etwa von dem „Spiegel“-Literaturchef Volker Weidermann. Mehr als die ewiggestrigen Sehnsüchte Simon Strauß’ drängen sich die ewig gleichen Rituale einer Aufmerksamkeitsdebattenkultur auf. Vor einigen Jahren war es der Kritiker Georg Diez, der Christian Kracht als „Türsteher rechten Gedankenguts“ brandmarkte. Bevor man sich sorgt, was alles über die Schwelle des Literatur nach außen dringt, sollte man sich glücklich schätzen, dass es einen Raum eigenen Rechts gibt, dessen Experimente, Versuche, Wagnisse nicht ­sofort Gegenstand gedankenpolizeilicher Untersuchungen werden sollten. Sonst wird es wirklich eng.