Kommentar zu Stuttgart 21 Bahn stellt sich selbst ein Bein

Von Reiner Ruf 

Regierungschef Winfried Kretschmann weist die Verantwortung für Verzögerungen der Bauarbeiten von sich. Ein Kommentar von Reiner Ruf.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann teilt Kritik aus. Foto: dapd
Ministerpräsident Winfried Kretschmann teilt Kritik aus. Foto: dapd

Stuttgart - Winfried Kretschmann hat am Dienstag in der Regierungspressekonferenz beim Thema Stuttgart 21 einen Auftritt hingelegt, der sich im Grunde in einem Satz so zusammenfassen lässt: „Wir waschen unsere Hände in Unschuld.“

Der Ministerpräsident attackierte, wenn auch verklausuliert, die Deutsche Bahn, weil sie es in 15 Monaten nicht geschafft hat, für die Baumfällarbeiten im Mittleren Schlossgarten ein Konzept zum Schutz von Fledermäusen und Juchtenkäfern vorzulegen. Und der Regierungschef kritisierte das Eisenbahn-Bundesamt dafür, dass es sich bei seinen Genehmigungsverfahren ungebührlich viel Zeit lasse; von mangelnder Sachkompetenz ganz zu schweigen. Hinter Kretschmanns Rügen verbirgt sich die Sorge, politisch dafür geradestehen zu müssen, wenn sich die Arbeiten am künftigen Tiefbahnhof weiter verzögerten, sofern die Bäume vor dem Beginn der Vegetationsperiode Ende Februar noch nicht gefällt oder versetzt sind.

Doch die Gefahr, dass die Landesregierung für die Misshelligkeiten verantwortlich gemacht wird, ist gering. Zu offenkundig stellt die Bahn ihre Wurstigkeit im Umgang mit ihr widerstrebenden Auflagen vor aller Augen. Zwar hat der grüne Teil der Landesregierung vor der Volksabstimmung alles dafür getan, um Stuttgart 21 zu Fall zu bringen. Doch die Niederlage beim Referendum gestanden Kretschmann und sein Verkehrsminister Winfried Hermann unumwunden ein. Seither sind auch keine Querschläger mehr zu erkennen gewesen. Merke: die Bahn braucht niemand, der ihr ein Bein stellt. Sie schafft das von allein. Und vorher gräbt sie noch die Grube aus, in die sie dann fällt.

Nun kann man mit Blick auf Fledermäuse und Juchtenkäfer im Stuttgarter Schlossgarten die Frage aufwerfen, ob der Natur- und Artenschutz in Deutschland mitunter doch etwas arg rigide betrieben wird. Doch die Antwort kann nicht darin bestehen, sich wie die Bahn über geltende Regeln einfach hinwegzusetzen oder sie aussitzen zu wollen.