Die Episode mit den fehlenden Genehmigungen zum Betonieren an der Bodenplatte für den Bahnhof bei Stuttgart 21 zeigt, dass die Bahn weiterhin unter Beobachtung steht – allerdings in Sachen Transparenz zugelegt hat, meint Christian Milankovic

Titelteam Stuttgarter Nachrichten: Christian Milankovic (mil)

Stuttgart - Wenn Stuttgart-21-Chef Manfred Leger Termine auf der Schwäbischen Alb an der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm wahrnimmt, spricht er gerne mal von den Vorteilen, die das außerstädtische Bauen so mit sich bringe. Was der Wirtschaftsingenieur meint: Die technischen Herausforderungen sind nicht ganz so komplex wie in Stuttgart und Ulm, wo Tunnelröhren teilweise mit wenigen Meter Abstand unter Häusern hindurchgeführt werden müssen und der Autoverkehr immer wieder den Baustellen des Milliardenprojekts weichen muss. Und: Auf der Schwäbischen Alb hat das Vorhaben auch nicht die Zahl an kritisch-interessierten Beobachtern, denen kaum etwas entgeht. Besonders hervorgetan haben sich in dieser Disziplin jüngst die zu den Ingenieuren 22 zusammengeschlossenen Projektkritiker. Beim Vorfall mit der von einem Kran heruntergerissenen Oberleitung im Bahnhof Feuerbach haben sie nicht lockergelassen. Und im Schlossgarten sind sie beim Aktenstudium auf die noch ausstehenden Genehmigungen gestoßen.

Kritikern auf Augenhöhe begegnen

Was bei alldem für die Sichtweise der Bahn spricht, ist der Umgang mit den projektkritischen Ingenieuren 22. Denen hat sie auf der Baustelle Einblick in die Unterlagen gewährt, aus denen zweifelsfrei hervorgeht, dass die Genehmigungen bislang nur den Bauabschnitt 16 umfassen. Hätte sie die Absicht gehabt, etwas unter dem Teppich zu kehren, wäre es wohl kaum zu dieser Akteneinsicht gekommen.

Freilich kann man diese Art der Transparenz als die schiere Selbstverständlichkeit und also nicht der Erwähnung wert einordnen. Man kann aber auch konstatieren, dass die Bahn dazugelernt hat und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Einblicke ermöglicht. Damit wird natürlich kein in der Wolle gefärbter Gegner des Vorhabens zu einem wohlwollenden Begleiter des Umbaus. Das muss aber auch nicht das Ziel sein. Wenn Projektkritiker das Gefühl haben können, ernstgenommen und als Gesprächspartner auf Augenhöhe akzeptiert zu sein, wäre viel in dieser Stadt gewonnen. Eines ist aber gewiss: Der Charme des außerstädtischen Bauens im Leger’schen Sinne wird hier nie Einzug halten.