Kommentar zu Stuttgart 21 Verantwortung

 Foto: Vogt
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Die Ereignisse des vergangenen Montags wirken nach. Jetzt ist Besonnenheit bei den Konfliktteilnehmern gefragt, meint Benjamin Schieler.

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Stuttgart - Der Moderator Jo Frühwirth hat bei der Volksversammlung auf dem Marktplatz die Teilnehmer für ihre Souveränität im Umgang miteinander gelobt. Doch in den anschließenden Gesprächen zwischen Gegnern und Befürwortern des Bahnprojekts Stuttgart 21 war zu spüren, wie schwierig die Auseinandersetzung mit dem jeweils anderen ist, wenn sie von unverrückbaren individuellen Wahrheiten genährt wird. Es liegt in der Natur der Sache, dass häufig nicht die Mehrheit einer Gruppe wahrgenommen wird, sondern der Teil, der am lautesten schreit. Das Legitimitätsverständnis derer, die das Bild prägen, hat sich aber zum Teil seltsam verschoben. Verbal und auf Plakaten blasen beide Seiten zum Sturm, sie sind aber nicht bereit, Gegenwind zu erdulden.

Das ist freilich nicht erst seit Montag und den Vorfällen rund um die Baustelle des Grundwassermanagements der Fall. Die Effekte der Gruppendynamik scheinen sich aber noch einmal um eine Stufe verstärkt zu haben - dies zu einer Zeit, zu der die Verkündung der Stresstestergebnisse näher rückt. Für die Tage rund um den 14.Juli lässt das nichts Gutes erwarten.

Als besonders problematisch erweist sich in dieser Situation die Wahrnehmung der Polizei und ihrer Rolle. Wenn selbst bei Beamten von Anti-Konflikt-Teams die Nerven blank liegen, weil sie sich mit energischen Vorwürfen von Bürgern konfrontiert sehen, ist es Zeit sich zu fragen, wie die Wogen geglättet werden können. Nicht hilfreich sind Kollektivverurteilungen und Schuldzuweisungen, die Emotionen bei Anklägern und Angeklagten noch mehr schüren. Es liegt in der individuellen Verantwortung jedes Konfliktteilnehmers, für ein wenig mehr Besonnenheit zu sorgen.

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