Europas Taxifahrer protestieren gegen Konkurrenten aus dem Internet. Ist das schlimm? Nein, findet der StZ-Korrespondent Thomas Wüpper: Konkurrenz belebt das Geschäft im Fahrdienstgewerbe. Aber es muss fair zugehen, und viele digitale Anbieter unterlaufen die geltenden Regeln.
Berlin - Ein paar Mal auf die Handytaste gedrückt, und schon kommt flugs ein Privatfahrer vorbei und bringt die Fahrgäste für ein kleines Trinkgeld zu Verwandten, in die Yogastunde oder nach dem Kneipenbesuch nach Hause. Das teure Taxi kann man sich künftig sparen. So oder ähnlich werben Anbieter im Internet für die Vermittlung von privaten Fahr- und Mitnahmediensten – und wollen dabei natürlich kräftig mitverdienen.
Dagegen ist nichts einzuwenden. Konkurrenz belebt das Geschäft und schafft häufig bessere und günstige Angebote. Allerdings muss es dabei fair zugehen, sonst drohen Wildwuchs und am Ende Nachteile für alle Beteiligten. Die neuen Fahrdienstvermittler unterlaufen mit ihren digitalen Geschäftsmodellen die geltenden Regeln. Deshalb ist es richtig, dass die Behörden diesen Anbietern genau auf die Finger schauen, um Missbrauch und Fehlentwicklungen zu verhindern. Es gibt gute Gründe, dass der Taximarkt in den meisten Ländern reguliert ist. Der Staat setzt klare Rahmenbedingungen, damit die Bürger überall sicher und zu angemessenen Preisen ans Ziel kommen. Taxifahrer müssen ihre Ortskunde, ein Führungszeugnis und ihre Gesundheit nachweisen, die Autos müssen verkehrssicher und versichert sein, es gelten verbindliche Preise und eine Beförderungspflicht auch auf dem platten Land, wo für die Anschlussfahrt vielleicht nicht gleich der nächste Kunde wartet.
Wer aber prüft die privaten Fahrer und deren Fahrzeuge, die von Internetdiensten vermittelt werden? Falls sich diese Anbieter am Markt durchsetzen, würde das die schleichende Deregulierung und gefährlichen Wildwuchs bedeuten. Einige große Investoren, die US-Firmen wie Uber derzeit mit Milliardensummen finanzieren, könnten dabei einen großen Reibach machen. Aber der Staat könnte ohne geregelte Lizenzvergaben die Anbieter kaum noch vernünftig kontrollieren.
Das soll nicht heißen, dass derzeit im Taxigewerbe alles prima läuft. Mit Durchschnittsverdiensten von gerade einmal 6,50 Euro pro Stunde gehören viele Fahrer trotz ihrer verantwortungsvollen Aufgabe zu den Geringverdienern – und die Wortführer der Branche sträuben sich weiter gegen den Mindestlohn von 8,50 Euro. Auch hier ist der Staat gefragt: Er muss endlich faire Untergrenzen ohne Ausnahmen durchsetzen.