Nicht einmal der Automobilclub ADAC wettert mehr gegen Tempo 40 auf Steigungsstrecken. Das ist gut so, meint Josef Schunder im Kommentar, denn die Maßnahme könne helfen im Kampf um bessere Luft – wenn sie an den richtigen Stellen eingesetzt werde.

Stuttgart - Der ADAC ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Einstmals forderte der Automobilclub „freie Fahrt für freie Bürger“, und man konnte sich sicher sein, dass ihm Ampeln und Tempolimits suspekt sein würden. Spätestens seit er bei der Ermittlung der Lieblingsautos der Deutschen manipulierte und sich in der Folge neu erfand, gibt er sich demütiger. Und das wirkt sich auch positiv aus auf Diskussionen über die Verkehrspolitik in Stuttgart. So verteufelt der ADAC beispielsweise keineswegs die Tempo-40-Schilder, die an immer mehr Steigungsstrecken in Stuttgart aufgestellt werden. Das ist gut so.

 

Fest steht, dass die Senkung des Tempolimits von 50 auf 40 auf der Hohenheimer Straße messbare positive Folgen hat. Die Maßnahme dort ging allerdings einher mit dem Freiräumen der Aufwärtsspur in den Tagesstunden, um den Verkehrsfluss in der verkehrsreichen Zeit zu verbessern – auf niedrigem Niveau und bei Drehzahlen, die einen übermäßigen Schadstoffausstoß vermeiden. Das ist und bleibt der richtige Kurs: Tempo 40 ist sinnvoll an starken Steigungen, wenn auch andere Rahmenbedingungen passen. Genau dies ist der Kurs der Stadtverwaltung.

Skeptiker sollen noch einmal nachdenken

Bleibt zu hoffen, dass die Stadträte nicht forscher sein wollen als der Automobilclub, wenn sie nächste Woche das Ausbauprogramm bis Ende 2017 beschließen. Notwendig ist eine Verkehrspolitik, die es allen Beteiligten erlaubt, in Stuttgart gut zu leben – und zu atmen. Die großen Vereinfacherer dieser Zusammenhänge bei der rechtspopulistischen AfD im Gemeinderat und die Skeptiker bei der FDP und der SPD haben das, wie sich bei bisherigen Debatten zeigte, nicht begriffen. Vielleicht nehmen sie sich doch noch ein Beispiel am ADAC.