Im Konflikt zwischen Kassen und Kassenärzten gehen die Wogen hoch. Beide Seiten sollten sich im Tonfall mäßigen und Bundesgesundheitsminister Bahr sollte neutral bleiben, meint Christoph Link.

Stuttgart - Man erinnert sich noch an den Ärztetag im Mai, als der frisch gewählte Ärztepräsident Montgomery seine Premiere hatte und just am Eröffnungstag der Verband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) ihm mit einer Studie über Ärztekorruption die Schau stahl – das war ein perfides Timing. Noch nie war das Verhältnis von Krankenkassen und Kassenärzten so zerrüttet wie heute – ganz frei von Schuld ist keine Seite.

 

Die Ärzte verlangten elf Prozent mehr, die Kassen reagierten zunächst mit einem Minus-Angebot. Auch das war eine Provokation. Tiefer kann der Graben nicht sein. Im Interesse der Beitragszahler, die der Ärztemangel auf dem Land oder Wartezeiten beim Facharzt beschweren, sollten sich beide Seiten im Tonfall mäßigen und einen Kompromiss finden. Das wäre im Prinzip der Spruch der Schiedsstelle – im Fachjargon heißt sie Erweiterter Bewertungsausschuss – gewesen. Dass die Ärzte nun weiter bocken, ist nicht ganz nachzuvollziehen. Eine unabhängige Instanz, beispielsweise in der Politik , könnte vermitteln. Gesundheitsminister Bahr (FDP) scheidet für diese Aufgabe aus, er hat seine Neutralität leider verloren. Mit seiner Kritik an den Berechnungen der GKV schlug er sich auf die Seite der Ärzte. Der Wahlkampf hat begonnen. Der Liberale fischt nach Stimmen, statt der Sache zu dienen.