Die Zahl der atypischen Arbeitsverhältnisse sowohl in Deutschland als auch in Baden-Württemberg ist 2012 gesunken. Ein solcher Job muss nicht schlecht sein, aber allzu oft fehlen die Perspektiven, meint StZ-Redakteurin Inge Nowak.
Stuttgart - Die Zahl der atypischen Arbeitsverhältnisse sowohl in Deutschland als auch in Baden-Württemberg ist im vergangenen Jahr gesunken – gut so, wird man auf den ersten Blick sagen.
Viele Menschen, die in einem atypischen Arbeitsverhältnis stecken, dürften sich – schon der Name deutet darauf hin – wie Beschäftigte zweiter Klasse fühlen. Dies gilt etwa für den Berufseinsteiger, der sich eine Existenz aufbauen will, aber nur zeitlich befristet eingestellt wird. Dies gilt auch für den Familienvater, der vielleicht Kinder in der Ausbildung hat, aber in einem Zeitarbeitsunternehmen nur noch eine schlechter bezahlte Stelle findet. Und es gilt auch für den Ungelernten, der möglicherweise sogar mehrere Minijobs benötigt. Aber gilt dies auch für die junge Mutter, die dank Teilzeit den Kontakt zum Unternehmen halten kann? Die Frau arbeitet nach der Definition zwar in einem atypischen Job, das kommt ihr aber durchaus gelegen. Schon die kleine Aufzählung zeigt, dass atypisch zwar häufig, aber eben nicht immer gleichbedeutend mit schlecht ist.
Nicht nur Frauen zählen oft zu den Verlierern
Negativ aber ist in jedem Fall eine andere Entwicklung. Wer in einem atypischen Arbeitsverhältnis steckt, wird in einem Unternehmen weniger gefördert. Studien haben ergeben, dass es Weiterbildung vor allem für Festangestellte gibt. Zwei Drittel der Mitarbeiter in einem normalen Beschäftigungsverhältnis wurden in den vergangenen drei Jahren weiterqualifiziert, bei den Atypischen lag der Anteil nur bei 48 Prozent; dies hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben. Das hat gravierende Folgen – etwa was die Karrierechancen betrifft. Betroffen hiervon sind vor allem qualifizierte Arbeitskräfte; und dies sind nicht selten Frauen. Und mit fehlender Weiterqualifizierung sinkt dann auch noch die Wahrscheinlichkeit, dass die atypische Beschäftigung zum Sprungbrett für eine Festanstellung wird.
Nicht nur Frauen zählen allzu oft zu den Verlierern dieser Entwicklung, sondern auch Ungelernte und wenig Qualifizierte. Wer arbeitslos ist, erhält Weiterbildungsangebote von der Agentur für Arbeit. Vergleichbare Angebote müssten auch die Atypischen erhalten – um den Weg aus der Sackgasse zu finden.