Das Attentat von Toulouse lässt den Wahlkampf in Frankreich innehalten. Ein Kommentar von Hans-Hagen Bremer.
Toulouse - Nach dem Attentat in Toulouse hat sich Frankreichs politische Klasse zu einer nationalen Union zusammengefunden. Die Präsidentschaftskandidaten, die sich eben noch erbittert beharkten, sagten bis auf Weiteres alle Kundgebungen ab. Präsident Nicolas Sarkozy und sein Herausforderer François Hollande begaben sich nach Toulouse. Andere Kandidaten hielten sich zurück. Keiner von ihnen wollte sich dem Verdacht einer politischen Instrumentalisierung aussetzen.
Nur einer scherte aus dem Konsens aus, der Kandidat der Zentrumspartei Modem, François Bayrou. Seine Spezialität ist es, den Protagonisten der französischen Politik ihre Widersprüche vorzuhalten und sie mit unbequemen Wahrheiten zu konfrontieren. Frankreich leide an seiner Zerrissenheit, sagte er. Die Schießerei von Toulouse habe ihre Wurzeln in der französischen Gesellschaft. Das brachte ihm empörte Reaktionen ein wie von Außenminister Alain Juppé, der ihm vorwarf, den Horror mit Niederträchtigkeit zu übertreffen. Auch früheren Präsidentenwahlen gingen dramatische Ereignisse voraus. Keins aber hat die Nation so aufgewühlt wie die Tragödie von Toulouse. Wie sie die Wahl beeinflusst, ist schwer zu sagen. Gewiss ist indes, dass sie für Sarkozy die Gelegenheit war, als Präsident in der Rolle des Beschützers der Nation aufzutreten.