Kommentar zum Automobilclub Das System ADAC

Spät die Konsequenzen gezogen: ADAC-Chef Peter Meyer gibt sein Amt auf. Foto: dpa
Spät die Konsequenzen gezogen: ADAC-Chef Peter Meyer gibt sein Amt auf. Foto: dpa

Ein von Großmannssucht und fehlender Einsicht getriebener Präsident muss mit Gewalt aus dem Amt gejagt werden. Am Montag ist ADAC-Chef Peter Meyer zurückgetreten. Ein Kommentar von StZ-Autor Thomas Magenheim-Hörmann

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Stuttgart - Der ADAC durchlebt eine Existenzkrise. Ein von Großmannssucht und fehlender Einsicht getriebener Präsident muss mit Gewalt aus dem Amt gejagt werden. Beim Autopreis „Gelber Engel“ bestätigen sich schlimmste Befürchtungen. Es wurden nicht nur die Stimmen zur Wahl des Lieblingsautos der Deutschen künstlich aufgebläht. Auch die Reihenfolge der Preisträger wurde 2014 in drei von fünf Fällen verändert. Und in Vorjahren sieht es bei dem seit 2005 verliehenen Preis ähnlich übel aus. Der ist damit am Ende und wird abgeschafft.

Der ADAC muss noch viel tun, um nicht dasselbe Schicksal zu erleiden. Als Gerichte über den 2006 aufgedeckten Siemens-Korruptionsskandal geurteilt haben, war von einem „System Siemens“ die Rede. Derzeit wird vor den Augen der Öffentlichkeit Stück für Stück ein „System ADAC“ enthüllt, das nicht minder skandalös ist: Wegsehen als Prinzip, das so gut wie vollständig Fehlen von Kontrollinstanzen und eine Art organisierter Verantwortungslosigkeit offenbaren sich. Vor allem aber wurde der Vereinsgedanke schamlos gewinnmaximiert, was mindestens moralisch anfechtbar ist. Nun will der ADAC mit Tabus brechen und sich neu erfinden. Weniger darf die Führung, die sich am besten gleich selbst runderneuert, auch nicht anbieten. Sonst endet der Club auf dem Schrottplatz.

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