Der Lärm ist heftig, die Bahn schafft Misstrauen, die Stadt stellt sich taub, kritisiert StZ-Redakteur Thomas Durchdenwald. Er hat viel Verständnis dafür, dass sich die Bürger allein gelassen fühlen.

Lokales: Thomas Durchdenwald (dud)

Stuttgart-Untertürkheim - Zuerst ein Vortrag der Bahn, anschließend eine Bezirksbeiratssitzung und dann, es waren zweieinhalb Stunden vergangen, hatten auch die vom Lärm geplagten Anwohner in Untertürkheim die Gelegenheit zu fragen. Dass Mitglieder der S-21-kritischen Ingenieure 22 diese späte Bürgerrunde zur Fortsetzung ihrer Fehde mit der Bahn nutzten, passt ins Bild einer Veranstaltung, in der viel über die Bürger, aber wenig mit ihnen geredet wurde.

Hilfreiche Antworten gab es von der Bahn nicht. Und der Hinweis, dass der S-21-Bauherr immer noch überlegt, von Lärmspitzen geplagten Anwohnern Ausweichquartiere anzubieten, musste für jene, die noch mindestens zwei laute Wochenenden ertragen müssen, wie Hohn klingen. Zumal der Bahnanwalt keine Formulierung ausließ, die die Vorbehalte nicht noch vergrößert hätten.

Den berechtigten Argwohn der Bürger hat sich die Bahn wahrlich selbst erarbeitet. Mit ihrem Informationsmaterial erreicht sie noch immer nicht alle Haushalte. Die Vorschriften des Planfeststellungsbeschlusses legt sie zwar legal, aber dehnbar so aus, dass sie die Betroffenen nicht schützen, sondern dem Bauherrn alle Möglichkeiten lassen. Auch die Stadt, deren S-21-Bürgerbeauftragte sich einmal mehr öffentlich eher wie eine Verteidigerin der Bahn denn wie eine Anwältin der Bürger verhielt, stellt sich taub. Die Bürger fühlen sich allein gelassen. Gewiss: wo gebaut wird, wird es laut. Das ist auch bei S 21 so, und die Anwohner müssen Lärm ertragen. Das kann aber kein Freibrief sein. Bürgernähe sieht anders aus.