Hartmut Mehdorn soll den Bau des Berliner Flughafens retten. Der ehemalige Chef der Deutschen Bahn und gescheiterte Air-Berlin-Sanierer ist eine Verlegenheitslösung, kommentiert der StZ-Autor Thomas Wüpper.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)

Berlin - Nun soll also Hartmut Mehdorn den Trümmerhaufen beseitigen, den unfähige Politiker, Aufseher und Manager beim Berliner Flughafendesaster hinterlassen haben. Ob der Ex-Bahn-Chef der richtige Mann dafür ist, muss bezweifelt werden. Als Airport-Chef hat der 70-jährige jedenfalls keinerlei Erfahrung und das nötige diplomatische Fingerspitzengefühl für diese heikle Aufgabe fehlt dem ruppigen Berliner Dickschädel ebenfalls.

Die Begeisterung über seine Berufung hält sich nicht nur deshalb spürbar in Grenzen. In seiner langen Karriere hat sich Hartmut Mehdorn viele Feinde gemacht. Besonders seine fast zehnjährige Amtszeit als Chef der Deutschen Bahn ist vielen in unrühmlicher Erinnerung. Zwar hat der Manager den Staatskonzern knallhart auf Rendite-, Spar- und Börsenkurs getrimmt, aber der Preis dafür war zu hoch, wie der trostlose Zustand vieler Bahnhöfe, die Ausdünnung des Liniennetzes, das Debakel bei der S-Bahn Berlin oder Subventionsgräber wie Stuttgart 21 beweisen.

Mehdorn ist der Notnagel für die tief zerstrittenen Berliner Flughafengesellschafter, die seit Monaten vergeblich nach einem Nachfolger für den geschassten Vorgänger Schwarz suchen. Man kann Mehdorn anrechnen, dass er sich dafür hergibt. Ob das die verfahrene Lage bessert, muss sich aber erst noch zeigen.

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