Kommentar zum Black-Jacket-Prozess Für immer Freunde?

Das Jugendstrafrecht ist an seine Grenzen gestoßen Foto: dp
Das Jugendstrafrecht ist an seine Grenzen gestoßen Foto: dp

Wenn Angeklagte darüber klagen, dass sie zu lange in U-Haft gesessen haben, muss sich ihre Kritik an ihre Mitangeklagten richten, die lange nur vage Aussagen gemacht haben, kommentiert StZ-Redakteur Oliver im Masche.

Lokales: Oliver im Masche (che)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Welches Urteil ist gerecht, wenn eine Bande über eine Gruppe junger Leute herfällt, sie brutal zusammenschlägt und am Schluss mehrere Verletzte, darunter zwei mit schweren Blessuren und einer mit dem Tode ringend, zurückbleiben? Vor allem dann, wenn keiner der Angeklagten anschließend im Prozess die Courage aufbringt, umfassend zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, sondern wenn die meisten eine Tatbeteiligung nur vage einräumen? Bereits vor dem Prozess waren angesichts der Aussagen der Beschuldigten bei der Polizei keine Freisprüche zu erwarten. Die Angeklagten haben die Chance vertan, durch umfassende Angaben den genauen Tathergang rascher zu klären, sich bei den Opfern glaubhaft zu entschuldigen und ihnen damit die Möglichkeit zu geben, den Tätern zu verzeihen.

Gericht prüft alle Aspekte gewissenhaft

Dem Gericht blieb nichts anders übrig, als bei der Beweisaufnahme alle möglichen Aspekte der im Raum stehenden Vorwürfe zu prüfen. Diese Aufgabe haben die Richter gewissenhaft erfüllt. Diese Suche beanspruchte allerdings Zeit. Und da ist das Jugendstrafrecht mit seinem Zweck – der erzieherischen Wirkung des Verfahrens auf die Täter – an seine Grenzen gestoßen.

Doch wenn nun mehrere junge Angeklagte darüber klagen, dass sie sehr lange Zeit in der Untersuchungshaft gesessen haben und in dieser Zeit nichts Sinnvolles zur möglichen Resozialisierung machen konnten, muss sich ihre Kritik an ihre Mitangeklagten richten, die über all die Monate zu den Vorwürfen nur äußerst vage Aussagen gemacht haben. Offen bleibt, ob sich die Black Jackets dabei an ihre Maxime „Friends forever“ – übersetzt „für immer Freunde“ – gehalten haben.

Opfer und deren Familien haben Folgen immer vor Augen

Von dem Prozess wird vor allem das bei der Tat am stärksten malträtierte ­Opfer zurückbleiben. Seine Verletzungen sind irreversibel. Der Mann und seine Familie werden die Folgen immer vor Augen haben.




Unsere Empfehlung für Sie