Was lange gewährt hat, ist leider nicht gut geworden. Ein Kommentar zum Concorde-Urteil von StZ-Frankreich-Korrespondent Axel Veiel.

Paris - Was lange gewährt hat, ist leider nicht gut geworden. Gewiss, gut zehn Jahre, nachdem dem das Überschallflugzeug Concorde als Feuerball vom Himmel stürzte und 113 Menschen in den Flammen starben, hat Frankreichs Justiz am Montag Schuldige präsentiert: die amerikanische Fluggesellschaft Continental und einen Mechaniker des Unternehmens, der an einer vor der Concorde startenden DC 10 eine Titanlamelle schlampig montiert hatte. Das Teil fiel ab, blieb auf der Startbahn zurück, schlitzte einen Reifen der nachfolgenden Concorde auf. Gummibrocken wirbelten empor, zertrümmerten den Tank der Air-France-Maschine, die Feuer fing.

Aber die Hoffnung der Hinterbliebenen, dass die Katastrophe mit dem Urteilsspruch juristisch aufgearbeitet sein würde, hat sich nicht erfüllt. Das Urteil, das Rechtsfrieden bringen sollte, schafft Unzufriedenheit. Der Argwohn, dass ein Gutteil derer, die den Absturz zu verantworten haben, straflos davongekommen ist, ja nicht einmal vor Gericht stand, ist nicht nur nicht ausgeräumt. Er hat neue Nahrung bekommen. Aktenkundig ist, dass vor dem Absturz bereits 65 Mal Concordereifen geplatzt waren und die französische Flugsicherung mehrfach Hinweise erhalten hatte, dass so ein Vorfall zur Katastrophe führen könnte. Doch weder die Aufsichtsbehörden noch Air France hielten es für nötig, Konsequenzen ziehen. Und die Justiz hält es zehn Jahre nach der Katastrophe ebenfalls nicht für nötig, Konsequenzen zu ziehen.