KommentarKommentar zum Conterganurteil Skandalös

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Dass die Pharmafirma Grünenthal jahrzehntelang mit am Tisch saß, wenn über die Renten der Conterganopfer entschieden wurde, ist skandalös. Das muss dringend geändert werden, fordert StZ-Autorin Hilke Lorenz.

Andreas Meyer hat vor dem Kölner Oberlandesgericht gewonnen. Foto: dpa
Andreas Meyer hat vor dem Kölner Oberlandesgericht gewonnen. Foto: dpa

Köln - Der Skandal um das Schlafmittel Contergan ist für die Opfer noch lange nicht ausgestanden. 5000 Kinder sind Anfang der 60er Jahren mit schwersten Missbildungen an Armen und Beinen zur Welt gekommen. Und als wäre das nicht schon genug, hat die Herstellerfirma Grünenthal in all den Jahren über die Conterganstiftung Einfluss auf die finanzielle Versorgung der Opfer genommen. Auch die Aufarbeitung des Skandals lief skandalös. Wie anders will man es nennen, wenn der Justiziar der Pharmafirma kraft seines Amtes als entscheidende Person in der Medizinischen Kommission sitzt. Sie hebt und senkt den Daumen, wenn es für die Betroffenen um die Anerkennung ihres Opferstatus geht, und sie legt die Höhe der Renten fest. Diese mehr als unglückseligen Verflechtung hat das Kölner Oberlandesgericht nun in einem Urteil festgestellt.

Mehr Mitsprache der Opfer

Der Opfervertreter Andreas Meyer hat damit recht bekommen. Für seine Vorwürfe war er vom Justiziar verklagt worden. Aber der Tag seines Triumphs muss auch der Tag der Umkehr sein. Die Zusammensetzung der Stiftung muss neu überdacht werden. Zudem muss die Bundesregierung, die über das Familienministerium diesen Zustand geduldet hat, ihr Versäumnis gutmachen. Im Kern kann das nur heißen: mehr Mitsprache für die Opfer. Andere Länder machen es vor.