Endlich haben sich die politischen Akteure im Kreis Ludwigsburg geeinigt. Ob tatsächlich bis 2030 eine Stadtbahn fährt, hängt jetzt vom konkreten politischen Willen ab, kommentiert Rafael Binkowski.

Politik: Rafael Binkowski (bin)

Ludwigsburg - Es ist ein großer Wurf: Nach 20 Jahren Diskussionen bekommt Ludwigsburg bis 2030 eine Stadtbahn, bis dahin werden Schnellbusse für Entlastung sorgen. Zudem sollen wichtige Gewerbestandorte wie Wüstenrot in Kornwestheim und Bosch in Schwieberdingen ans Bahnnetz angebunden werden.

Damit ist auch der Machtkampf zwischen Landrat Rainer Haas und OB Werner Spec erst einmal befriedet. Auf den ersten Blick darf sich der Kreischef bestätigt fühlen und den Durchbruch in Sachen Stadtbahn für sich reklamieren. Durch seine Beharrlichkeit und gute Lobbyarbeit in Richtung Stuttgart trägt er daran maßgeblichen Anteil. Allerdings muss Haas seinen Traum einer Partnerschaft mit den Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) begraben – es wird ein unabhängiges Netz mit Niederflurstadtbahnen gegründet.

Der Wasserstoffzug wird nicht kommen

Auch für Werner Spec bedeutet der Kompromiss den Verzicht auf ein Prestigeprojekt: eine mit Wasserstoff oder einer Brennstoffzelle angetriebene Eisenbahn nach Markgröningen. Dies fällt ihm sichtlich schwer, doch waren die Pläne dazu noch zu vage – und hätten einen späteren Stadtbahnbetrieb gestört. Immerhin bekommt er Zuschüsse für Schnellbusse nach Straßburger Vorbild und hat eine Anbindung von Wüstenrot durchgesetzt. Es gibt also keine klaren Sieger und Verlierer, alle dürfen das Gesicht wahren. Das ist auch dem Verhandlungsgeschick des Ministerialdirektors Uwe Lahl zu verdanken, der die durchaus kontroversen Debatten am Mittwoch kanalisiert hat.

Noch sind Fragen offen: etwa, wie die Stadtbahn am engen Ludwigsburger Bahnhof vorbei kommen soll. Oder wie die Verbindungsäste nach Kornwestheim und Schwieberdingen aussehen sollen. Und wie sich ein so kleines Stadtbahnnetz wirtschaftlich organisieren lässt.

Die Vereinbarung muss mit Leben gefüllt werden

Doch das sind technische Probleme, die mit viel Hirnschmalz der Fachleute lösbar sind. Viel wichtiger ist, dass die Vereinbarung politisch mit Leben gefüllt wird. Das beginnt bei der bürgerlichen Ratsmehrheit im Ludwigsburger Gemeinderat, bei der bislang viel Skepsis gegenüber jeglichen Stadtbahnplänen zu hören war. Aber auch die wichtigsten Protagonisten Haas und Spec müssen jetzt an einem Strang ziehen, gemeinsam planen, einen Zweckverband gründen und nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander arbeiten. Daran wird sich entscheiden, ob die Einigung vom Mittwoch das Etikett „historisch“ verdient.