Kommentar zum FC Bayern München Die Sehnsucht nach Größe

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Der FC Bayern München ist im Rekordtempo deutscher Fußball-Meister geworden. Doch das ist nur ein Etappenziel. Bayern strebt nach Höherem, das Vorbild ist Barcelona, meint der StZ-Sportredakteur Carlos Ubina.

Sport: Carlos Ubina (cu)
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Stuttgart - Es soll ja mal eine Zeit gegeben haben, als die Titelrennen noch spannend verliefen, als sich die Meisterschaften am letzten Bundesligaspieltag entschieden, vielleicht kurz davor, aber auf keinen Fall schon Anfang April. Doch das war, bevor Borussia Dortmund dem deutschen Fußball einen schwarz-gelben Anstrich verlieh und den erfolgsverwöhnten FC Bayern zwang, sich neu auszurichten.

Wenn man so will, haben Jürgen Klopp und Co. durch ihre Titelgewinne 2011 und 2012 das Beste aus den Bayern herausgeholt – und nun hat das Imperium zurückgeschlagen. Mit mehr Demut vor den Leistungen der Konkurrenz, aber mit all seiner Finanzkraft, Fachkompetenz und fußballerischen Begabung. Und natürlich sind sie nicht nur der früheste Meister aller Zeiten, sondern ebenso ein herausragender.

Kein anderes Team ist auch nur annähernd an die Klasse und Konstanz der Bayern herangekommen. Allerdings musste der Rekordchampion dafür erst wieder lernen, dass die 23. Gravur in die Meisterschale keinem Gewohnheitsrecht entspringt und er sich von seinen Problemen nicht immer freikaufen kann, sondern wieder eine identitätsstiftende Fußballidee benötigt.

An die Spitze moderiert

Jupp Heynckes ist es dabei gelungen, in einem komplexen Milieu die Kräfte im Kader auszutarieren. Mit einer Souveränität und Konsequenz, die einige an Münchens Säbener Straße dem 67-jährigen Trainerveteran nach dem Finaltrauma im vergangenen Mai nicht mehr zugetraut hatten. Diese Gruppe hatte sich gewünscht, dass Heynckes nach dem verlorenen Champions-League-Endspiel in München zurücktritt. Doch der Chefcoach hat aus der Niederlage gemeinsam mit der Mannschaft noch einmal Motivation gezogen und sie an die Spitze moderiert. Mit beeindruckenden Bestmarken, die verdeutlichen, dass sich im deutschen Fußball eine neue Dominanz ergibt: Erst kommen die Bayern und die Dortmunder und dann ganz lange nichts.

Den Machern des Ligaverbandes DFL kann diese Entwicklung nicht wirklich gefallen. Sie preisen seit Jahren die Ausgeglichenheit der Bundesliga, Herzschlagfinale in Titel- und Abstiegsfragen inbegriffen. Doch in der Fußballrepublik ergeben sich immer mehr spanische Verhältnisse, wo seit Langem allein der FC Barcelona und Real Madrid herrschen. Interessanterweise könnte es nun sein, dass sich ausgerechnet die vier Topteams aus Bundesliga und Primera División im Halbfinale der europäischen Königsklasse begegnen.

Das Vorbild ist Barcelona

Die Champions League bleibt auch die Referenzgröße des FC Bayern. Denn bei aller nationaler Überlegenheit strebt der Club nach Höherem, getrieben von der Sehnsucht, nicht nur für die vielen Titelgewinne geachtet, sondern ebenso für seinen Spielstil bewundert zu werden – wie Barcelona. Das ist das Erfolgsmodell, an dem sich die Bayern orientieren. Das ist der Verein, der seit Jahren eine Erfolgsmischung aus zugekauften Weltklassekickern und selbst ausgebildeten Nachwuchskräften präsentiert und damit Siege in Serie feiert.

Vom katalanischen Konzept ist auch Matthias Sammer überzeugt. Um es auf bayerische Verhältnisse zu übertragen, haben ihn die Münchner als Sportvorstand installiert. Um es weiterzuentwickeln, haben sie Pep Guardiola, zuvor Barças begehrter Übertrainer, verpflichtet. Seither ist Sammer nur wenige Male öffentlich als Mahner aufgetreten. Wie jetzt, als er das Feiern zwar nicht verbot, den Titelgewinn jedoch nur als ein Etappenziel deklarierte.

Der FC Bayern will aber mehr, vor allem langfristig. Deshalb forciert Sammer im Verborgenen den Neubau einer Nachwuchsakademie, wofür die Münchner ein Gelände erstanden haben. Aufgrund solcher Perspektiven ist ihnen auch der Coup mit Pep Guardiola gelungen. Mit ihm soll die Strahlkraft der Bayern noch größer werden. Was aber dazu führen könnte, dass sie den Titel dann schon im März holen.




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