Kommentar zum Friseurhandwerk Nicht jeden an die Haare lassen

Von Martin Haar 

Wieder einmal entscheidet der Verbraucher über die Zukunft einer Branche, meint Redakteur Martin Haar.

Friseur-Discounter bedrohen den MittelstandFoto: Kraufmann

Stuttgart - Theorie schlägt wie so oft die Praxis. Wenn die Bürokratie aus den Amtsstuben fernab des Alltags Vorschriften, Regeln, Reglementierungen und schließlich Gesetze erlässt, kommt das heraus, was Friseure und andere Handwerker gerade erleben. Bei vielen Salons ist durch die Kleinstbetriebsregelung die Existenz bedroht. Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand ließe sich nachvollziehen, dass der angebliche Tagesumsatz von weniger als 70 Euro am Tag unrealistisch ist. Aber fast jeder dritte Salon gilt bereits als Kleinstunternehmen und muss daher keine Umsatzsteuer abführen. Das ist Wettbewerbsverzerrung – und fahrlässig. Denn solche Betriebe werden angeblich einem fiskalischen Prüfungsturnus von 73,5 Jahren unterworfen. Sprich: Sie werden nie durchs Finanzamt geprüft.

Branche erleidet Imageschaden

Die Folgen dieser Politik sind offensichtlich: Der allseits beklagte Fachkräftemangel wird so noch verstärkt. Denn diese Betriebe bilden in der Regel keinen qualifizierten Nachwuchs aus. Und es verstärkt den Imageschaden, den die Branche auch durch das rasante Wachstum der Discount-Friseure zusätzlich beklagt. Doch die Sache könnte gut ausgehen. Auch wenn man sich keine berechtigten Hoffnungen machen darf, dass in der Politik rasch und klug entschieden wird, um die Dinge zu wenden. Der Verbraucher hat es selbst in der Hand. Besser: auf dem Kopf. Wer sich sagt, „an meine Haare lasse ich keinen, der mit einem Hungerlohn abgespeist wird“, ist mächtiger als der Bundesfinanzminister.